Nach tausenden von Vorbereitungsstunden, nach manchen Pannen und einem imposanten Lauf der Olympischen Fackel beginnen nun die Olympischen Sommerspiele in London. Eingeläutet werden sie von allen Glocken, die Töne von sich geben können.
Eröffnen werden diese Spiele, nach Plan des Künsterls Martin
Creed, die Glocken der landesweiten Kirchen. Das Auftragswerk der Londoner
Festival-Kommission sieht vor, dass Privatleute und Institutionen heute, am 27.
Juli pünktlich um 8.12 Uhr drei Minuten lang alle verfügbaren Turm-, Schiffs-
oder sonstige Glocken in Schwingung versetzen. Londons katholischer Erzbischof Vincent Nichols erteilte dem Projekt seinen Segen und auch die Bischofskonferenz teilte mit, dass die katholischen Kirchen in England und Wales an diesem Sturmläuten teilnehmen werden.
Spiele des Friedens
Papst Benedikt XVI. rief zum Gebet auf, „dass die Spiele von London, nach dem Willen Gottes, eine echte Erfahrung von Brüderlichkeit unter den Völkern der Erde vermitteln.“ Nach dem Wunsch des geistlichen Oberhauptes sollen die Sommerspiele 2012 in London zu Frieden, Versöhnung und Völkerverständigung beitragen. Überdies betonte der Papst den „starken symbolischen Wert“ des sportlichen Wettkampfs von AthletInnen aus aller Welt.
Seelsorge für Sportler
Olympiaseelorger Bernhard Maier ist bereits seit Dienstag in London. Untergebracht ist der Salesianerpater in der deutschsprachigen katholischen Pfarre in London. Maier ist bereits zum 16. Mal als Seelsorger für die österreichischen Teams im Einsatz. Somit ist Maier der längstdienende Olympia-Seelsorger. Er wird die SportlerInnen der Olympischen wie auch der paralympischen Spiele begleiten. Während der Spiele steht Maier den AthletInnen sowie deren TrainerInnen für Gespräche zur Verfügung. Aus Erfahrung weiß Maier, dass das Angebot gut angenommen wird: „ Gespräche ergeben sich automatisch“, so Maier. Die Kontakte entstehen im Olympischen Dorf, im Österreich-Haus oder bei den Trainings.
Dass Seelsorger bei Olympischen Spielen dabei sind, ist seit
1972 Tradition. Maier selbst begleitet die österreichischen Olympioniken seit
den Winterspielen 1984 in Sarajevo. "Durch die vielen Jahre, die man dabei
ist, kennt man schon sehr viele SportlerInnen und ist einfach in vielen Situationen
mit ihnen", schildert der Salesianerpater.
Gottesdienste
Im Olympischen Dorf gibt es außerdem ein eigenes
"Interfaith Centre" mit speziell für die einzelnen
Religionsgemeinschaften gestalteten Gottesdiensträumen. Maier wird dort
gemeinsam mit anderen Priestern aus zahlreichen Ländern täglich mehrere
Gottesdienste feiern. Maier lädt Österreichs SportlerInnen mit Aushängen und in
persönlichen Gesprächen zur Mitfeier bei Gottesdiensten ein.
Hürde: Ramadan
Eine besondere Herausforderung bringen die Spiele in London für viele muslimische OlympiateilnehmerInnen mit sich. Die Wettkämpfe finden dieses Mal nämlich genau in der Zeit des islamischen Fastenmonats Ramadan statt, in dem Muslimen zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang u.a. das Essen und Trinken untersagt ist.
Das Olympiavorbereitungskomitee für religiöse Dienste hat daher ein tägliches "Fastenbrechen" für die teilnehmenden Muslime organisiert. Lebensmittel, die den islamischen Speisevorschriften entsprechen, werden 24 Stunden am Tag verfügbar sein. Zusätzlich sind auf Wunsch spezielle Essenspakete erhältlich, die die Athleten vor Sonnenaufgang zu sich nehmen können. Bei muslimischen OrganisationsmitarbeiterInnen wird laut dem anglikanischen Priester Duncan Green darauf geachtet, dass diese nicht wegen ihrer Tätigkeit extra Flüssigkeit zu sich nehmen müssen. "Wir haben unserer Personalleiter angewiesen, dass MitarbeiterInnen, die den Fastenmonat einhalten, beispielsweise nicht einen ganzen Tag lang auf einem Parkplatz ohne Schatten eingesetzt werden", teilte Green mit.
"SportlerInnen, die das Fasten einhalten, werden sehr früh am Morgen aufstehen müssen, um etwas zu essen", sagte Mohammed Abdul Bari, Direktor der größten Moschee Londons. Er sieht die größte Herausforderung für die AthletInnen nicht bei der Nahrungsaufnahme, sondern beim unregelmäßigen Schlaf: "Wie sie das beeinflusst, hängt von ihrer individuellen Belastbarkeit und Praxis, aber auch von ihrer Entschlossenheit ab."
Von Katrin Kranz veröffentlicht am 27.07.2012

