Die dunkelste Zeit im Jahr. Da wachsen die Chancen des Lichts, gesehen zu werden.
Wer in diesen Tagen frühmorgens aus dem Haus muss, glaubt in tiefster Nacht zu sein. Häuser und Menschen sind schwer erkennbar, was entfernt liegt, liegt ganz im Dunkeln. Jede Lichtquelle aber nimmt im dunklen Raum selbstbewusst ihren Platz ein. Das erleuchtete Fenster, das das Leben im Inneren des Hauses entbirgt, das Licht am Fahrrad, das seinen Schein am Weg entlang trägt oder die Scheinwerfer des Autos, die für einen Moment alles anderen 'überleuchten'. Die Lichtquellen gewinnen an Bedeutung, sie ziehen die Aufmerksamkeit auf sich, sie wärmen.
Licht bringt etwas zutage, macht es überhaupt erst sichtbar. Jedes Licht ist quasi ein Scheinwerfer, das ein Ding auf bestimmte Art und Weise erscheinen lässt. Wechseln die Lichtverhältnisse, wechselt immer auch die Sichtweise. Das ist eine große Chance. Denn unsere Art, Dinge zu sehen, macht unsere Weltsicht aus. Sie bestimmt, ob wir misstrauisch oder hoffnungsvoll im Leben stehen, ob wir das Gute sehen oder das Problematische, ob wir uns als beschenkt erleben oder als zu-kurz-gekommen.
Wenn zu Weihnachten Jesus Christus mit dem Licht verglichen wird, das jedem und jeder innewohnt, dann steckt in diesem Licht-Werden großes Veränderungspotential. Denn ein lichtes Herz wärmt, sieht klar, hat den Überblick und Durchblick wo vorher dunkles und angstmachendes Chaos war. Nicht die Welt ist eine andere geworden, sondern mein Blick auf sie. Darum geht es.
Lichtquellen bewusst wahrnehmen und erforschen, was sie aus Dingen machen, welche Seite sie beleuchten bzw. im Dunkeln belassen. Lichtquellen und Perspektiven als Experiment verändern. Diese Haltung auf Alltägliches anwenden, um Dinge und Menschen in anderem Licht zu sehen, Seiten ausblenden und andere einblenden - zu alldem laden wir Sie in der kommenden Woche ein. Frohes Ausprobieren!
Von Patricia Begle veröffentlicht am 17.12.2011

