Auf Einladung von Landesregierung und Arbeitsmarktservice Vorarlberg trafen sich am Montag Vertreterinnen und Vertreter von Sozial- und Flüchtlingshilfeorganisationen im Landhaus Bregenz, um über aktuelle Herausforderungen und Vernetzungspotentiale zu sprechen.

Ahmad strahlt: Stolz hält er sich vor versammeltem Publikum das Zertifikat vor die Brust – Auszeichnung für zwanzig Teilnahmen an Proben und Konzerten des Feldkircher Kontaktchors. Der junge Mann mit den wilden Locken gehört zu jener Auskopplung des Ensembles, die ins Landhaus Bregenz gekommen ist, um das erste Vernetzungstreffen „Flucht und Integration“ nicht nur musikalisch zu begleiten, sondern vor allem einen ganz praktischen Beweis zu liefern, wie Integration aussehen kann.

Üben, üben, üben!

„Musik“, findet Ulrich Gabriel, künstlerischer Leiter des Chors, „ist ideal, um das Wie und Warum unserer abendländischen Gesellschaftsordnung zu vermitteln.“ Da geht es um Einstimmigkeit und Mehrstimmigkeit, um Harmonie und Dissonanz, um Ordnungskriterien wie Takt und Rhythmus, um Gemeinschaft, Zuverlässigkeit, um die Begegnung mit sich selbst und dem und den anderen – und, natürlich, um Spaß. „Warum es längst nicht viel mehr solcher Ensembles gibt: keine Ahnung.“

Qualifiziert.

Eine Frage, die gleich weitergerecht werden konnte an die Politik, schließlich war das – der Austausch und die Vernetzung der verschiedenen Themen und Akteure in der Integrationsarbeit – erklärtes Ziel des Treffens. Neben Vertreterinnen und Vertretern von Sozialorganisationen und Flüchtlingshilfe saßen auch Landesrätinnen und -räte im Montfortsaal und hörten, welche drei Hauptarbeitsfelder man an den verschiedenen Stellen beackert – Integration durch Wohnen, durch Bildung und durch Arbeit – und wo die nächsten Herausforderungen warten. Landeshauptmann Markus Wallner brachte diese mit drei Fragen auf den Punkt – erstens: Was ist unser Arbeitsmarkt fähig aufzunehmen? Bernhard Bereuter, Landesgeschäftsführer des Arbeitsmarktservices (AMS) Vorarlberg und Dr. Johannes Kopf, AMS-Bundesvorstand waren sich einig: Viel, denn die derzeit gute Konjunktur spielt uns definitiv ins Blatt. Einen Grundsatz gelte es allerdings zu beachten: Qualifizierung müsse immer Vorrang haben vor schnöder Stellenbeschaffung. Kopfs Grafik der Arbeitslosenzahlenentwicklung war eindrucksvoll: Das größte Arbeitslosenrisiko trügen die, die nur einen Pflichtschulabschluss verfügen
Bloß: Wie erfahren wir von den Qualifikationen der Geflüchteten: „Die können ja nicht nichts“; stellt Friedhelm Siepe, Geschäftsführer Arbeitsmarkt der deutschen Bundesagentur für Arbeit klar. Nachweise seine allerdings nicht das erste, was man einstecke, wenn man in Damaskus vor den Bomben flieht. Es würden darum nicht nur verschiedene Instrumente zur Weiterbildung erarbeitet, sondern auch zur Ermittlung bereits vorhandener Qualifikationen.

Sprache und Werte.

Das alles greife aber nur dann, erklärt Siepe weiter, wenn die Sprachkompetenz kontinuierlich gefördert werde und schließt sich damit Wallners zweiter Frage an – der nach Verbesserungspotential bei bestehenden Kursangeboten. Wallners dritte Frage gilt der Wertevermittlung – ein Punkt, der in der abschließenden Podiumsdiskussion von Landesrätin Katharina Wiesflecker aufgegriffen wird: Die verpflichtende Unterzeichnung der Integrationsvereinbarungen in den Landeshauptmannschaften zum Beispiel sei eine Möglichkeit, um über Themen wie Gleichberechtigung ins Gespräch zu kommen – mit Männern und Frauen.

Ein Marathon.

Integration, das machte Moderatorin Eva Grabherr, Geschäftsführerin der Vorarlberger Projektstelle für Zuwanderung und Integration „okay. zusammen leben“, klar, ist und bleibt ein Langstreckenlauf. Vorarlbergs Kondition sei aber gut – jetzt heiße es nur: dranbleiben!  

(aus dem KirchenBlatt Nr. 45 vom 9. November 2017)