Bis zu minus 25 Grad - wenn auch in 2.000 Meter - erwarten uns am Wochenende. Da sind rote Nase und kalte Füße fast schon vorprogrammiert. Gut, wenn man sich dann in die warme Wohnung oder sein Haus zurückziehen kann. Viele Menschen haben aber kein Zuhause und sind den Witterungsverhältnissen mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert.

Die Kältwelle bewirkt vor allem in Ostösterreich eines: einen Ansturm auf die Notschlafstellen von Hilfsorganisationen. Diese kommen langsam  an ihre Kapazitätsgrenzen und bitten vermehrt um Sach- und Geldspenden zugunsten der von der Kälte besonders betroffenen obdachlosen Menschen. Allein in Wien leben Angaben der Caritas einige hundert Menschen im Freien, in WC-Anlagen oder Abbruchhäusern.

Großzügiger Umgang gefordert
Zwar verteilen Streetworker der Hilfsorganisation derzeit winter- und schneefeste Schlafsäcke, dennoch sind viele Menschen den frostigen Temperaturen ausgesetzt. Nicht nur in Österreich, auch in Deutschland ist die Kältewelle bereits angekommen und bringt die rund 22.000 Menschen, die im Nachbarland auf der Straße leben zum Zittern. Wohnungslosenverbände Sicherheitsdienste und Wachleute fordern nun auf, mit den Obdachlosen großzügiger umzugehen.

Ein Appell an die Menschlichkeit
"Bei dieser Kälte appelliere ich an die Wachdienste, die Wohnungslosen nicht gleich rauszuwerfen und dafür Menschlichkeit walten zu lassen", erklärt der Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft der Wohnungslosenhilfe (BAGW), Thomas Specht. Falls die Temperaturen weiter anhalten, sind die Kommunen gefragt ihrer gesetzlichen Pflicht nachzukommen und rechtzeitig Notunterkünfte in ausreichender Zahl bereitzustellen. "Im Notfall müssen sie Zimmer in Pensionen oder Gasthöfen anmieten", so Specht. Sinnvoll könne auch sein, Bahnhöfe, U-Bahn-Stationen oder andere geeignete Gebäude zu öffnen.

Ein Viertel Frauen 
Weiters müssen für Unterkünfte großzügige Öffnungszeiten gelten, hält Specht fest. Und: "Eine Befristung des Aufenthalts auf wenige Tage ist rechtswidrig." Die Unterkünfte selbst müssten abschließbare, sichere Spinde und getrennte Abteilungen für Frauen haben, schließlich sind rund ein Viertel der Wohnungslosen Frauen.

Tote zu beklagen
In Österreich suchen Mitarbeiter/innen von Hilfsorganisationen derweil nach Menschen, die im Freien übernachten müssten und bringen sie in Notschlafstellen. So sollen weitere Kältetote wie ein Mann, der in St. Pölten gestorben ist, vermieden werden. Auch in weiten Teilen Europas gab aufgrund der Temperaturen von bis zu minus 27 Grad bereits dutzende Todesopfer

Wo kommt die Kälte her?
Laut ORF haben wir es hier mit einem Dauerfrost zu tun, der aus zwischen einem Hoch über Skandinavien und einem Tief über dem Mittelmeer die sibirische Kälte aus dem Osten Richtung Mittel- und Westeuropa transportiert wird. "Die eisige Luftmasse aus dem Osten ist insbesondere in Asien in den nördlichen Breitengraden entstanden, wo sich seit Wochen die Erde aufgrund mangelnder Sonnenstrahlung und einer fast durchgehenden Schneedecke nicht erwärmen konnte." Besserung ist noch keine in Sicht.

 

Von Simone Rinner veröffentlicht am 31.01.2012

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