Sechs Punkte umfasst die Presseerklärung der österreichischen Bischofskonferenz, die am Freitag im Nachgang ihrer Frühjahrstagung in der Propstei St. Gerold veröffentlicht wurde. Darunter sind Fragen der Zeit wie Integration und nachhaltige Entwicklung, Stellungnahmen zur Lage der Christen im Irak, zu den beunruhigenden Entwicklungen auf den Philippinen sowie ein Aufruf an alle Gläubigen, ihre Stimme bei der Pfarrgemeinderatswahl am Sonntag abzugeben.

Integration als Hilfe zur Selbsthilfe

Zunächst positionieren sich Österreichs Bischöfe zur Integration: Ganz im Sinne einer Äußerung Papst Franziskus‘ zum Thema dürfe sie nicht bei der „geografischen Eingliederung“ derjenigen enden, die verfolgt oder als Kriegsflüchtlinge zu uns kommen. Vielmehr müsse die kulturelle Beheimatung der Menschen das Ziel sein. Das funktioniere am besten, indem man „Hilfe zur Selbsthilfe“ biete: Spracherwerb, Zugang zu Bildung und sinnstiftender Arbeit und die persönliche Begegnung seien der Schlüssel, ebenso Vermittlung jener demokratisch-christlichen Grundwerte, die die Basis der österreichischen Gesellschaftsordnung sind. Die Bischofskonferenz sprach sich auch nochmals gegen das im Entwurf zu einem neuen Integrationsgesetz vorgesehene vollständige Verschleierungsverbot aus.

Das Maß wahrer Menschlichkeit

Bei der Integration – wie auch im Umgang mit Menschen mit Behinderung, Kranken, Älteren – zeige sich das „Maß wahrer Menschlichkeit“ einer Gesellschaft: „Jedes Leben ist wertvoll, jeder Mensch ist ein Geschenk, und die Inklusion bereichert jede Gemeinschaft [...]“, stellte Papst Franziskus unlängst im Umfeld der andauernden Special Olympics in der Steiermark klar. Dem schließen sich die österreichischen Bischöfe an: Anlässlich des weltweiten Down-Syndrom-Tags am 21. März stellen sie in der Presseerklärung Tendenzen der Pränataldiagnostik infrage, die Behinderung als „Störfaktor für ein geglücktes menschliches Leben“ abqualifizierten und das „scheinbare Ideal eines ‚genetisch unauffälligen Kindes‘“ propagierten.

Verantwortung übernehmen

Die Österreichische Bischofskonferenz ruft dazu auf, Verantwortung zu übernehmen – eine Haltung, die auch aus dem Motto der diesjährigen Pfarrgemeinderatswahl „Ich bin da.für“ spräche. Die Kirchenoberen loben den Einsatz der (potentiellen) Pfarrgemeinderatsmitglieder für ihre Gemeinden. Sie gäben der Kirche am Ort ein Gesicht und machten den Glauben und das Engagement für die Gemeinschaft lebendig.

Sozial und ökologisch: die Agenda 2030

Diesen Blick auf das „gemeinsame Haus“ der Menschheit habe auch Papst Franziskus in seinem Lehrschreiben „Laudato si“ gerichtet. Eine nachhaltige und sozial gerechte Entwicklung liege im Interesse aller Christen und ist in der UN-„Agenda 2030“ niedergelegt. Österreichs Bischöfe wünschen sich, dass die genannten Ziele hinsichtlich Gesundheit, Armutsbekämpfung, Bildung, Wirtschaft, Infrastruktur sowie Energie und Umwelt bald umgesetzt werden – auch hierzulande, wie es die österreichische Bundesregierung 2016 in einer entsprechenden Absichtserklärung in Aussicht gestellt hat.

Beistand für Menschen im Irak und auf den Philippinen

Auf zwei konkrete Krisenfälle weisen die Bischöfe explizit hin: Die Situation der Christen im Irak sowie die verschärfte Menschenrechtslage auf den Philippinen. Seit der Invasion des IS im Sommer 2014 sind rund 120.000 Christen aus der irakischen Ninive-Ebene, einem alten christlichen Siedlungsgebiet, geflohen. Der chaldäisch-katholische Patriarch Louis Sako rief sie nach den jüngsten Rückeroberungen des Gebiets um Mossul zur Rückkehr auf – nicht ohne die nötige Unterstützung der Weltgemeinschaft einzufordern. Viele Dörfer und Siedlungen in der Region seien völlig zerstört, in anderen müsse ein Großteil der Infrastruktur wieder aufgebaut werden. Seinem Appell an die Hilfsbereitschaft aller schlossen sich die österreichischen Bischöfe an.

Ebenso solidarisieren sie sich mit der Philippinischen Bischofskonferenz, die kürzlich die geplante Wiedereinführung der Todesstrafe sowie Tendenzen wider die UN-Menschenrechtskonvention durch Präsident Rodrigo Duerte scharf kritisierte. Gleichzeitig riefen sie die österreichische Bundesregierung auf, „alle zur Verfügung stehenden diplomatischen und politischen Mittel zu nutzen, um internationale Aufmerksamkeit auf diese Menschenrechtsverletzungen zu lenken“.

Die vollständige Presseerklärung als Ergebnispapier der Frühjahrskonferenz der Bischöfe steht als PDF zum Download zur Verfügung.