Es grünt und blüht überall, die Temperaturen steigen und die Sonne lässt sich endlich wieder länger blicken. Kurz: Der Sommer ist im Anmarsch - und damit kommt auch die Sommermode und die Zeit, in der sich viele neu einkleiden. Dass hinter der günstigen Mode oftmals Schicksale von Menschen in Entwicklungsländern stecken, ist vielen (noch) nicht bewusst.
Mal unter uns: Achten Sie beim Kaufen Ihrer Kleidung darauf, wo sie herkommt? In welchen Land sie produziert wurde? Oder fragen nach, unter welchen Bedingungen sie hergestellt wurde? Hinter bzw. in jedem Kleidungsstück steckt nämlich eine Geschichte, die oftmals einfach nur traurig ist.
Übersicht: Wo finde ich faire Kleidung?
Schuften für die Mitgift
Im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu beispielsweise schuften zigtausende junge Mädchen in zwangsarbeitsähnlichen Verhältnissen. Für das Versprechen von guter Bezahlung, bequemer Unterkünfte und Geld für ihre Mitgift verpflichten sie sich als Arbeitskräfte bei Textil- und Bekleidungsfabriken. Wer jetzt glaubt, dass das nichts mit ihm zu tun hat, sollte kurz nachdenken, in welchem Geschäft er seine Kleidung gekauft hat. Diskonter wie NKD, aber auch Unternehmen wie C&A und Markenfirmen wie, u.a. Diesel, Ralph Lauren, Quiksilver und Timberland beziehen Waren von Fabriken, in denen diese Mädchen beschäftigt sind. Das geht aus einem aktuellen Bericht der Partnerorganisationen der Clean Clothes Kampagne, SOMO und ICN, hervor.
Die Realität sieht leider anders aus: Ist der Vertrag erst einmal unterzeichnet, werden die Mädchen zu den Fabriken gebracht und in Baracken einquartiert. Umgeben von Zäunen, dürfen sie ihr "Gefängnis" nur einmal im Monat unter Aufsicht verlassen, Besuche der Eltern werden nur gegen Vorlage eines Fotos erlaubt. Je nach Auftragslage sind Arbeitstage, in denen 16 oder sogar bis zu 24 Stunden am Stück gearbeitet werden, keine Seltenheit. Fehler werden mit Sanktionen geahndet und auch vor sexuellen Übergriffen sind die Mädchen nicht gefeit. Aus einer von der Katholischen Frauenbewegungen Österreichs (kfb) 2011 durchgeführten Studie geht hervor, dass 18% der betroffenen Mädchen jünger sind als 15 Jahre, 60% sind zwischen 15 und 18 Jahre alt.
Wenn die Mädchen durch Unfälle, die hohe Staubbelastung in den Fabriken oder vor Erschöpfung ausfallen, werden sie fristlos und ohne jegliche Zahlungen entlassen. Viele, die die vereinbarten Dienstjahre annähernd erfüllt haben, werden mit dem Vorwand von Kleinigkeiten entlassen und verlieren so den Anspruch auf die versprochene Geldsumme. Diese Verhältnisse haben Berichten des „Tirupur People’s Forum for Protection of Environment and Labour rights (TPF)” zufolge in den letzten zwei Jahren über 100 Mädchen in den Selbstmord getrieben.
“Der tamilische Begriff „Sumangali“ bezeichnet eigentlich eine glücklich verheiratete Frau – in der Bekleidungsindustrie wird er zum Synonym für menschenunwürdigste Ausbeutung. Unternehmen müssen gegen die Missstände vorgehen. Kein einziges T-Shirt ist eine solche Tragödie wert!“ zeigt sich Michaela Königshofer von der Clean Clothes Kampagne empört. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte auf sauber und sozialverträglich hergestellte Kleidung achten.
Faire Kleidung in der Übersicht
- Um kritischen Kleiderkauf zu erleichtern, hat "Clean Clothes" zudem einen Einkaufsratgeber herausgefunden, den Sie sich in Form eines Pdfs ansehen können: Einkaufsratgeber
- Firmencheck: Wer seine bevorzugten Fashion- und Outdoor-Unternehmen auf ihre sozialen Verantwortung hin prüfen möchte, findet eine Übersicht auf der Seite von www.cleanclothes.at: Firmencheck
Von Simone Rinner veröffentlicht am 10.05.2012

