„Wir sind Papst“ – die Schlagzeile des deutschen Boulevardblatts BILD am 20. April 2005, einen Tag nach der Wahl Joseph Aloisius Kardinal Ratzingers zum Oberhaupt der Katholischen Kirche, zog weite Kreise. Wer war man auf einmal nicht alles! Nobelpreis! Weltmeisterin! Präsident! Jetzt kurz vor Kardinal Ratzingers 90. Geburtstag am 16. April, fällt einem diese Losung wieder ein. Der Reflex, Gemeinsamkeiten zu suchen und Verbindungen zu finden, ist nämlich auch heute, 12 Jahre danach, ungebrochen. Und ein bisschen sind ja auch Österreicherinnen und Österreicher Papst…

Die Magna Mater Austriae

Das suggeriert zumindest die Nachrichtenagentur Kathpress, wenn sie von einer „kleinen Liebesgeschichte“ zwischen Benedikt XVI. und der Republik spricht. Er selbst hatte sich 2007 mit einem Brief an Österreich gewandt: „Ich liebe dieses Land, das mir seit meiner Kindheit nahe ist – seit den sonntäglichen Wanderungen, die wir zu Beginn der 30er Jahre über die Salzach-Brücke mit unserer Mutter nach Ostermiething, nach Sankt Radegund und an andere Orte auf der österreichischen Seite der Salzach gemacht haben.“

Später war es vor allem der Wallfahrtsort Mariazell, der ihn anzog: Eine Nachbildung des dortigen Gnadenbilds zog in seinen vatikanischen Gebetsraum ein, und Benedikt dürfte einigermaßen glücklich darüber gewesen sein, dass man ihm 2009 die Ehrenbürgerschaft Mariazells verlieh.

Rückschau auf ein intensives Leben

Der Neunziger des emeritierten Papst ist Anlass für allerlei Rückschau: Kathpress startet einen Gang durch Blogs und Social Media, wo Benedikt XVI. nach wie vor ziemlich präsent sei – ganz im Gegensatz zu seinem eher zurückgezogenen „richtigen“ Leben. Das Deutsche Fernsehen widmet „seinem“ Papst zu Ostern eine Reihe von Schwerpunkten und Sondersendungen, und drumherum werden Meilensteine seines knapp achtjährigen Pontifikats rekapituliert: Die klare Positionierung zu Missbrauch innerhalb der Kirche, sein Zugehen auf Islam und Judentum, aber auch die Piusbruder-Affäre und diffuse Verschwörungstheorien rund um seinen Rücktritt.
Ratzinger selbst hat sein Leben und Schaffen in Gesprächen mit dem Journalisten Peter Seewald Revue passieren lassen, erschienen als „Letzte Gespräche“ im Verlag Droemer & Knaur.

Feier im kleinen Kreis

Der gebürtige Bayer selbst begegnet dem Trubel mit jener Bedachtheit und Ruhe, die auch seine Amtszeit kennzeichneten: Die Feier am Ostermontag – der eigentliche Geburtstag am Ostersonntag ist einem Gottesdienst vorbehalten – werde im kleinen, 50-köpfigen Kreis im Vatikan gefeiert, so Erzbischof Georg Gänswein.

Neunzig Luftballons in gelb und weiß

Größere Gratulationsgesten erreichen Ratzinger von anderswo: An der Päpstlichen Hochschule Heiligenkreuz, wo Benedikt XVI. vor zehn Jahren ebenfalls zu Besuch war, stiegen am vorvergangenen Samstag 90 Luftballons in den Vatikanfarben weiß und gelb in den Himmel, eingebettet in ein zweitägiges Fest zu Ehren des einstigen Kirchenoberhaupts.