Es ist die eine Sache, wenn es ein Priester ist, der vorne am Altar steht und mit seiner Gemeinde die Messe feiert. Es gibt aber Gelegenheiten – zum beispiel bei der gestrigen Chrisammesse –, da ist er da nicht allein, sondern flankiert von zwei, drei, vielen Kollegen. Und Kardinal Schönborn, Vorsitzender der österreichischen Bischofskonferenz, meint, dass man so eine „Männerriege“ im Jahr 2017 durchaus ein wenig merkwürdig finden kann. Im Interview mit der Wiener Zeitung spricht er sich darum unter anderem für mehr Frauen im kirchlichen Kontext aus.

Die Heilige Gottesmutter ist bisher meist die einzige Frau im Altarraum...

Auch, wenn die päpstliche Weisung in der Frage zum Einsatz von Diakoninnen noch ausstehe und Schönborn hier keinesfalls vorgreifen will: Für ihn ist klar, „dass es mehr Frauen in kirchlichen Ämtern braucht und hier bei Weitem die Möglichkeiten nicht ausgeschöpft sind. […] Die Tatsache, dass es Diakoninnen gegeben hat und in der Ostkirche bis heute gibt, muss uns in der lateinischen Kirche zu denken geben.“

Neue Ideen für alte Probleme

Der jüngst durch Papst Franziskus angestoßenen Diskussion um die „viri probati“, also verheiratete „Bewährte“ Männer im Priesteramt, steht er hingegen zurückhaltender gegenüber: In Österreich fehlten oft weniger Priester als vielmehr die Gläubigen. Auch darum freut er sich, dass die Migrationsbewegungen auch viele Christen nach Europa brächten. Ihre Gemeinden gehörten ebenfalls zu den potentiellen neuen Nutzern für jene Kirchengebäude, die die Diözesen nicht mehr unterhalten könnten. Bereits in der Vergangenheit habe es in Wien erfolgreiche Weitergaben solcher Immobilien an christliche Brüder- und Schwesterngemeinden gegeben – und sie so vorm Schicksal „Shoppingcenter“ oder „Nachtclub“ bewahrt.

Aktuelle Themen im Gespräch

Weitere Themen des Rundumschlag-Interviews waren die Frage nach der Berufszufriedenheit unter Priestern (Schönborn freut sich über die sehr positive Grundstimmung) und dem Zölibat („Ein offiziell zölibatäres Leben, das eine Schattenseite hat, ist nicht die ideale Lebensform. So wie eine Ehe mit Seitenpartnerschaften nicht die ideale Lebensform ist.“), der Wiederverheiratung von Geschiedenen (Schönborn plädiert für Einzelfallentscheidungen), der Ruf nach Sonntagsöffnungen von Geschäften (klares Nein) und die laufenden Strukturreformen in der Erzdiözese Wien. (kathpress/Wiener Zeitung/red).

Das vollständige Interview finden Sie online zum Nachlesen.