Vier Tage lange diskutierten im bayerischen Leitershofen Theologinnen und Theologen unter dem Titel „#OMG!1elf!! Oh mein Gott: Pastoraltheologie im Zeitalter digitaler Transformation“ über „dieses Internet“ – und darüber, wann und wo und warum Kirche dort vorkommen muss. Ein Lagebericht.

Das Feld in dem wir uns bewegen, macht das Schlussplenum deutlich: Prof. Dr. Martina Blasberg-Kuhnke, Professorin für Pastoraltheologie und Religionspädagogin und stellvertretende Vorsitzende der Konferenz deutscher Pastoraltheologinnen und Pastoraltheologinnen, erinnert sich an das Jahr 1975, als sie als Schülerin einen der ersten Computer vorgeführt bekommen habe. Klassenraumfüllend und mit Lochkarten betrieben, hätte sich damals niemand so richtig vorstellen können, dass da DIE Zukunftstechnologie vor ihnen steht. Ein junger Theologe antwortet mit einer Geschichte vom Nachwuchs aus seinem Freundeskreis: „Tablet haben“ ist unter Sprechenlernenden offenbar ein inzwischen gängiger Satz. Und irgendwo dazwischen sitzen wir.

Es führt kein Weg zurück

Vier Tage lang haben sich Wissenschaftler und Praktiker beim Kongress der deutschen Pastoraltheologinnen und -theologen im bayerischen Leitershofen mit „diesem Internet“ beschäftigt. In Vorträgen, Workshops und den Pausen zwischen den einzelnen Slots ging es um Facebook, Snapchat, Instagram und YouTube, um Identitätsbildungsprozesse und den Umgang mit sog. Trollen und Glaubenskriegern, es ging um Kommunikationsstrategien und kirchliche Netzprojekte aus Deutschland, den USA und der Welt. In seiner Keynote machte sich Prof. Dr. Andreas Büsch von der Clearingstelle für Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz für einen „kritischen Optimismus“ im Umgang mit der Digitalisierung in kirchlichen Kontexten stark. Ein Zurück in vordigitale Zeiten gebe es nicht – und sei auch kein bisschen wünschenswert. Das findet auch Theologin und Webdesignerin Maria Herrmann, die beim Bistum Hildesheim das Projekt Kirche2 betreut. Für sie ist das Internet das Betriebssystem unserer Gesellschaft – und das Smartphone die Fernbedienung dazu.

Ja, das ist echt.

Und wer sich jetzt an den Kopf fasst ob dieses Geschwätz der „digital natives“ – der Vatikan sieht das ganz genauso: „Digital is real“, stellt Bischof Paul Tighe, von 2007 bis 2015 Sekretär des Päpstlichen Rates für die sozialen Kommunikationsmittel, zum Abschluss der Konferenz fest. Die Summe der päpstlichen Twitteraccounts haben in Sachen Reichweite längst den Kanal eines gewissen US-amerikanischen Präsidenten abgehängt – auch, wenn reines Quoten-Messen natürlich niemandem etwas nützt.

Lebenswelt Netz

„Qualität“ und „Authentizität“ waren zwei der Begriffe, die sich wie rote Fäden durch die Diskussionen zogen: Eine Kirche, die „das Internet ausdruckt“ ist genauso wenig in der Gegenwart und Lebensrealität der Menschen verankert, wie eine, die ungeprüft auf jeden digitalen Zug aufspringt. Überhaupt gelte es, die Extreme zu vermeiden – ein „Ganz“ oder „Gar nicht“, ein On- oder Offline, real oder fake – zumal diese Pole ohnehin nicht mehr definitiv zu verorten seien, wie uns sowohl Prof. Dr. Bernd Trocholepczy wie auch Fundamentaltheologe Prof. Dr. Gregor Maria Hoff von der Universität Salzburg nahelegten. Hoffs Vortrag zum Internet als „ortlosem Ort“, der trotz digitaler Grundlage – ein Bit kennt nur die Zustände Null oder Eins, also an oder aus, – für menschliches Verständnis inzwischen undurchdringbar sei – und dem Glauben damit gar nicht so unähnlich. Überhaupt lohne sich ein Blick auf die Parallelen von Religion und digitalen Netzwerken: „Sharing the Good News in a digital culture“, der Titel des Vortrags von Paul Tighe ist nicht zufällig gewählt. Das Teilen und Mitteilen von Erfahrungen und Erlebnissen, das Suchen und Finden und Bilden von Gemeinschaften, der Wunsch nach Rat und Bestätigung sind nicht nur Nutzungsmotive für digitale Medien, sondern auch Momente religiösen Lebens. Auch, wenn Jesus selbst kein „Chief Digital Evangelist“ war, wie Büsch augenzwinkernd feststellte.

Luft nach oben

Dass Kirche im Netz noch zu wenig und zu staubig vorkommt, halten die meisten für Unfug – sind sich aber einig: die Luft nach oben ist frisch! Vom Mini-Instawalk in der barocken Leitershofener Pfarrkirche St. Oswald landen nur wenige Impressionen im Netz, der Konferenzhashtag #prt17 ist weit vom „Trenden“ auf Twitter entfernt. Aber: der Auftrag ist klar. Auch an uns. Stay tuned!

Zum Weiterlesen

Interview mit Prof. Richard Hartmann, Pastoraltheologe und Organisator des Kongresses, auf katholisch.de. Zum Interview »
www.pastoraltheologie.de