In der vergangenen Nacht verstarb die deutsche Ärztin und Ordensschwester Dr. Ruth Pfau mit 87 Jahren in ihrem Krankenhaus im pakistanischen Karachi. Die Trauer um die „Mutter der Leprakranken“ ist groß.

 „Wir können nicht jedem helfen. Aber so wie in dem biblischen Gleichnis vom barmherzigen Samariter geht es darum, dem zu helfen, an dem man gerade vorbeigeht“, sagte die Ordensfrau Dr. Ruth Pfau vor zwei Jahren in einem ORF-Interview anlässlich ihres 85. Geburtstags.

Eine vermeintlich einfache Formel – auf den ersten Blick. Die gebürtige Leipzigerin, studierte Medizinerin und spätere Ordensschwester der „Töchter vom Herzen Mariä“ blickt Schätzungen zufolge auf mehr als 50.000 Menschen zurück, die sie und ihre Mitstreiter von Lepra geheilt haben und weit über Hunderttausend, denen sie ein Leben in Würde ermöglichen konnten. Alle, an denen sie eben vorbeigekommen ist – und alle, die den Weg zu ihr, der „Mutter der Leprakranken“, gesucht haben.

Die Unberührbaren berühren – und alle anderen auch

1960 begann sie ihre Arbeit in den Elendsquartieren des pakistanischen Karachi – inzwischen mit mehr als 13,1 Millionen Einwohnern eine der größten Städte der Welt. Nur drei Jahre später gründete Pfau dort das mittlerweile legendäre Marie-Adelaide-Lepra-Krankenhaus. Über Jahrzehnte bildete die Ordensfrau hier Leprahelfer aus und baute ein flächendeckendes Behandlungssystem auf, aus dem das pakistanische Lepra-Kontrollprogramm hervorging.

Ein Einsatz, der auch mit Unterstützung aus Österreich möglich gemacht wurde – u. a. mit Spendengeldern vom Aussätzigen-Hilfswerk und der Caritas. Ein Einsatz, den ihr die Stadt 1979 nicht nur mit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft dankte, sondern ganz Pakistan, indem es Pfau 1980 zur nationalen Beraterin für Leprafragen im Rang einer Staatssekretärin ernannte. Auftakte zu einem Preise- und Auszeichnungsregen, der eine Frau würdigt, die berührt. Die, die sonst niemand berührt – und alle anderen auch.

Dort, wo es am nötigsten ist

1980 reiste Pfau erstmals nach Afghanistan, um auch hier zehn Jahre lang zum Aufbau eines Gesundheitsdienstes beizutragen und später, in Zeiten der Massenflucht aus dem benachbarten Pakistan, ein Auffanglager einzurichten. Mit 67 kehrte sie Karachi zurück, wo sie in einer kleinen Wohnung ihres Krankenhauses lebte, arbeite und heute Nacht friedlich eingeschlafen ist.

In Vorarlberg war sie zuletzt vor drei Jahren, um auf Einladung des Aussätzigen-Hilfswerks Bregenz von ihrer Arbeit und ihrer Autobiografie „Leben ist anders. Lohnt es sich? Und wofür?“ zu berichten.

Quelle: kathpress.at / red