Im APA-Interview am Dienstag forderte Caritas-Präsident Küberl die Politik dazu auf, Schritte gegen den Hunger einzuleiten und die Aufmerksamkeit denjenigen zukommen zu lassen, die es schwer haben – seien dies nun PensionistInnen, Alleinerziehende, SchülerInnen oder Familien mit mehreren Kindern.
Am Dienstag sprach Caritas-Präsident Franz Küberl im
APA-Interview die Problematik der Armut an. Er forderte unter anderem dazu auf,
den Armen die gleiche Aufmerksamkeit wie den Banken zu schenken. Küberl erachtet
es als Kernanliegen der Politik – europaweit – der Armut den Kampf anzusagen.
Die EU solle man als „Solidaritätsunion zugunsten der armen und einfachen
Menschen“ verstehen. Nach Küberl sollte sich die EU in Richtung „Sozialunion“
bewegen.
Armutsgefährdet
Küberl ließ mit seiner Aussage, dass es „zu wenig Erwerbsarbeit, von der man leben kann“ gibt, aufhorchen. Er führte an, dass die Caritas Maßnahmen gegen die Zunahme der „working poor“ – jene Erwerbstätigen, die trotz Arbeit armutsgefährdet sind – vermisse. Unterdessen forderte er von der österreichischen Politik ebenfalls, mehr ernsthafte Ambitionen um den Sozialstaat auch am Rand krisenfest zu machen.
Von Armut bedroht seien Alleinerziehende, aber auch Familien
mit mehreren Kindern. Außerdem bemerke man bei den Caritas-Sozialberatungen
auch einen Zulauf von Pensionisten. Küberl wies darauf hin, dass es den meisten
Menschen in Österreich sehr gut gehe und deshalb das Bewusstsein, dass es
anderen nicht so gut geht, nicht vorhanden sei.
Bildung als Schlüssel
Die Beschäftigungspolitik bewertet Küberl als maßgeblich für
die Armutsbekämpfung, fordert einen gerechten Lohn und verwies dabei auf Papst
Leo XIII., der diesen fairen Lohn bereits in seiner Enzyklika „Rerum Novarum“
1891 eingefordert habe. Dadurch soll es möglich sein, die Armut „stückweise zu
entschärfen und abzubauen“. Küberl sieht in der Bildung einen Schlüssel für
nachhaltige Armutsbekämpfung und auch hier forderte er die Politik dazu auf,
ein Schulsystem zu schaffen, dass Nachhilfe „unnotwendig“ mache und die Armut
bräche. Küberl schwebt eine Ganztagsschule vor, in der die LehrerInnen die
Arbeitszeit mit den SchülerInnen verbringen. Er führte dabei die „Lerncafés“
der Caritas als Vorbild an, bemerkte aber, dass die Eltern „schon die ersten Trainer“
sein sollten.
Pflegegeld und Augustsammlung
Auch die Pflege wurde im Interview zum Thema. Es gelte den Pflegefond von einer Übergangs- in eine dauerhafte Lösung umzuwandeln, meint Küberl. Die Überlegungen zu einer Pflegeversicherung als Finanzierung lehnt die Caritas eher ab, da dies zu einer Erhöhung der Lohnnebenkosten führen würde. Allerdings forderte er, zum wiederholten Male, dazu auf, das Pflegegeld regelmäßig anzupassen, die Betreuungslücken zu schließen und die Standards der Bundesländern zu vereinheitlichen.
Von der Regierung wünscht sich Küberl eine Anhebung der Entwicklungshilfe. Derzeit liegen die Ausgaben dafür bei 0,27 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, versprochen werde seit Jahren eine Anhebung der Quote auf 0,7 Prozent. Des Weiteren ist es der Caritas ein wichtiges Anliegen die Maßnahmen gegen die Spekulation auf Nahrungsmittel, welche auch mitverantwortlich für die Hungerkrise in der Westsahel-Region ist, voranzutreiben. Dieser Krisenregion ist auch die August-Sammlung der Caritas gewidmet.
Von Katrin Kranz veröffentlicht am 01.08.2012
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