Der 30. April ist der Tag der Arbeitslosen. Und von denen gibt es auch in Vorarlberg leider eine Menge. 3000 VorarlbergerInnen gelten als langzeitarbeitslos, 600 von ihnen haben derzeit in einem sozialen Unternehmen wie AQUA Mühle Vorarlberg, carla der Caritas Vorarlberg, Dornbirner Jugendwerkstätten, Integra Vorarlberg und Kaplan Bonetti Arbeitsprojekte Arbeit gefunden. Mehr Arbeitsplätze wären aber dringend notwendig, betont Verbandssprecherin Benedicte Hämmerle.

2000 Menschen galten vor fünf Jahren in Vorarlberg noch als langzeitarbeitslos. Heute sind es schon 3000. Die Hälfte der derzeit Betroffenen ist über 50 Jahre alt – Tendenz steigend. Der Großteil hat lediglich einen Pflichtschulabschluss, 40 Prozent der Betroffenen leiden unter gesundheitlicher Beeinträchtigung. Eine Arbeit zu finden, ist für diese Gruppe oftmals besonders schwer. Eine Chance sind hier die Sozialen Unternhemen Vorarlberg, die derzeit rund 600 Frauen und Männern eine Beschäftigung bieten. Mehr Arbeitsplätze wären aber dringend notwendig.

Sprung in den ersten Arbeitsmarkt

Die Förderung langzeitarbeitsloser Menschen lohne sich, bestätigen die Sozialen Unternehmen: Die Chance der betroffenen Frauen und Männer auf den Wiedereinstieg ins reguläre Arbeitsleben steigt, ihre soziale und wirtschaftliche Situation verbessert sich. Den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt schafft rund ein Drittel aller Betroffenen. Die Dornbirner Jugendwerkstätten vermitteln sogar jeden zweiten jungen Menschen in ein Dienstverhältnis. „Der Verband ist eine wichtige und wirkungsvolle Institution am zweiten Arbeitsmarkt. Im Dialog mit den Betrieben arbeiten wir laufend daran, Maßnahmen noch besser auf die Bedürfnisse der Menschen abzustimmen“, erklärte Harald Moosbrugger von der Abteilung für Wirtschaftsangelegenheiten des Landes Vorarlberg.

Zukunftsmusik

Künftig wollen sich die Sozialen Unternehmen Vorarlberg noch stärker mit VertreterInnen aus Wirtschaft und Politik austauschen. Ziele sind neue Arbeitsfelder für den zweiten Arbeitsmarkt sowie verbesserte Beschäftigungs- und Weiterbildungsmaßnahmen. „Wir wollen gemeinsam mit den Sozialen Unternehmen an zielgerichteten Modellen arbeiten. Dazu braucht es neue Finanzierungsquellen, die wir gemeinsam prüfen werden“, betonte der stellvertretende Geschäftsführer des Arbeitsmarktservice Vorarlberg, Bernhard Bereuter.

Stabilere Lebenssituation

„Von Langzeitarbeitslosigkeit betroffenen Menschen fehlt nicht nur der Job, sondern auch das Gefühl, gebraucht zu werden. Meist leiden soziale Kontakte und die Gesundheit darunter“, berichtete Verbandssprecherin Benedicte Hämmerle. „Ein Arbeitsverhältnis hilft, die Lebensverhältnisse zu stabilisieren, und zwar wirtschaftlich, sozial und gesundheitlich.“ Dies habe auch eine Studie der Volkshilfe Oberösterreich mit über 500 Befragten ergeben.

Laut einer Studie des WIFO verbessern Soziale Unternehmen nicht nur die Reintegrationschancen der betroffenen Menschen, diese verbleiben danach auch länger in einem Arbeitsverhältnis als vergleichbare, ehemalige Arbeitslose. Frauen und ältere Arbeitskräfte profitieren am stärksten. Ehemalige Transitarbeitskräfte steigen in späteren, längerfristigen Jobs auch finanziell besser aus: Ihr Verdienst liegt im Schnitt um 13,4 Prozent höher als bei anderen ehemaligen Langzeitarbeitslosen

Faule Menschen

Ebenso wichtig ist eine Bildungsoffensive: Menschen mit geringem Bildungsniveau sind am häufigsten von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Ein modulares, niederschwelliges Angebot soll ihnen helfen, sich für den Arbeitsmarkt besser zu qualifizieren. Längerfristige und dauerhaft geförderte Arbeitsplätze stehen ebenfalls auf der Forderungsliste und mit Vorurteilen soll aufgeräumt werden. „Menschen ohne Beschäftigung wird oft mangelnde Arbeitswilligkeit unterstellt. Viele von ihnen wollen arbeiten, aber nicht alle schaffen es ohne Hilfe zu den Bedingungen, die der Arbeitsmarkt verlangt", erklärt Hämmerle.

Der jährliche Umsatz der fünf Sozialen Unternehmen Vorarlberg beläuft sich auf rund 17 Millionen Euro. Es besteht keine Gewinnabsicht, die Betriebe müssen jedoch zur Hälfte kostendeckend wirtschaften. Auftraggeber sind Wirtschaftsunternehmen, öffentliche Einrichtungen und Kommunen sowie Privatpersonen.

Aktiv in Nischen

Aktiv sind die Betriebe hauptsächlich in wirtschaftlichen Nischen, für die am regulären Arbeitsmarkt kaum Arbeitskräfte vorhanden sind und damit nicht im Wettbewerb mit Wirtschaftsunternehmen stehen. Letztere profitieren allerdings von den Arbeitskräften und dem Angebot an Dienstleistungen und Produkten der Sozialen Unternehmen. Dazu gehören etwa die Postpartnerschaften, Räumungen, Digitalisierungen, Palettenproduktion, Landschaftspflege, der Re-use Bereich, Schulkantinen, Kinderspielplätze und vieles mehr.