Verwüstete Geschäfte, brennende Synagogen und Betstuben; Juden, die gedemütigt und verhaftet werden - damit gingen die Novemberpogrome 1938 in die Geschichte ein. Und sind für viele der Beginn der Schoa, der gezielten Auslöschung der jüdischen Bevölkerung. Oder wie Propagandaminister Joseph Goebbels damals in seinem Tagebuch festhielt: “Die Juden sollen einmal den Volkszorn zu verspüren bekommen”. Heuer jähren sie sich zum 75. Mal.

Die Nacht vom 9. auf den 10. November markiert einen dunklen Zeitpunkt in unserer Geschichte und geht als "Reichskristallnacht" bzw. als Novemberprogrome 1938 in die Geschichtsbücher ein.Geschäfte und Wohnungen jüdischer Bürger wurden damals geplündert, Synagogen und Betstuben abgebrannt, Juden gedemütigt, verhaftet und deportiert.

Töten und Plündern
Für viele Historiker bedeuten die Novemberpogrome den Beginn der Schoa, der gezielten Auslöschung der jüdischen Bevölkerung -  ist der 9. November 1938 ein Meilenstein auf dem Weg zur Vernichtung des europäischen Judentums. In Österreich wurden in der Nacht auf den 10. November 1938 30 Juden getötet, 7.800 verhaftet und aus Wien rund 4.000 sofort ins Konzentrationslager Dachau deportiert. Im gesamten „Deutschen Reich“ wurden Tausende Synagogen und Geschäfte niedergebrannt, 91 Personen getötet, 20.000 verhaftet. Die gezielten Ausschreitungen nach der Aktivierung der SS-Ortsgruppen beschränkten sich allerdings nicht auf eine Nacht, sondern dauerten mehrere Tage an.

Anlass der Novemberpogrome
Dabei standen am Anfang der Novemberpogrome die Schüsse auf den deutschen Botschaftsangehörigen Ernst vom Rath in Paris, abgefeuert am 7. November von dem 17-jährigen Juden Herschel Grynszpan, dessen Eltern von den Nazis nach Polen abgeschoben worden waren. Grynszpan hatte ursprünglich ein Attentat auf den deutschen Botschafter in Paris geplant, mit dem er gegen die Abschiebung Tausender polnischstämmiger Juden protestieren wollte. Statt des Botschafters trafen seine Schüsse jedoch den jungen Botschaftssekretär Rath. Für die NS-Führung ein willkommener Anlass, die Vorgangsweise gegen die jüdische Bevölkerung unter dem Vorwand des „Zorns der kochenden Volksseele“ zu verschärfen.

Keine Anklage
"In Wien war der Befehl ergangen, 'wohlhabende Juden zu verhaften' und ihre Wohnungen zu versiegeln. In Notarresten wurden sie tagelang gequält und geschunden. Sie musste Nächte 'durchwippen' und Kniebeugen machen. Bei dem darauffolgenden Transport nach Dachau am 16. November kamen 17 Männer ums Leben", schreibt Profil online über die Novemberprogrome. Und obwohl in den Akten Täter und Opfer vermerkt wurde, sei es nicht einmal zu einer Anklage gegen unbekannte Täter gekommen.

Wie alte Hütten...
Propagandaminister Joseph Goebbels schreibt in seinem Tagebuch über die Novemberprogrome: "Als ich ins Hotel fahre, klirren die Fensterscheiben. Bravo! Bravo! Wie alte große Hütten brennen die Synagogen. Deutsches Eigentum ist nicht gefährdet. Im Augenblick ist nichts besonderes mehr zu machen."

"Morgenfrüh kommen die ersten Berichte. Es hat furchtbar getobt. So wie das zu erwarten war. Das ganze Volk ist im Aufruhr. Dieser Tote (Ernst vom Rath) kommt dem Judentum teuer zu stehen. Die lieben Juden werden es sich in Zukunft überlegen, deutsche Diplomaten so einfach niederzuknallen. Und das war der Sinn der Übung.." 

Verfolgung
Nach dem „öffentlichen“ Novemberpogrom 1938 erhielt die Verfolgung einen neuen Charakter: Nun begann die „stille“ Eliminierung der Jüdinnen/Juden. Auch die Zeugnisse ihrer religiösen Kultur fielen der Vernichtung zum Opfer.

Sühnegabe der Jüdinnen und Juden
Am 3. Dezember 1938 trat eine weitere Verordnung in Kraft, Jüdinnen/Juden konnten gezwungen werden, Gewerbebetriebe und Grundbesitz unter bestimmten Auflagen zu veräußern. Weiters war es ihnen verboten, Grundbesitz sowie Juwelen, Gold etc. zu erwerben oder freihändig zu veräußern. Wertpapiere mussten in einem als jüdisch gekennzeichneten Depot bei der Bank deponiert werden. Außerdem musste die jüdische Bevölkerung die im Novemberpogrom angerichteten Schäden mittels einer „Sühneabgabe“ bezahlen, das war die Judenvermögensabgabe, die 25 % des angemeldeten Vermögens umfasste und neben der Reichsfluchtsteuer zu den später dann im Abgeltungsfonds 1962 (!) wenigstens zum Teil entschädigten diskriminierenden Abgaben zählte. (red/profil/spiegel/parlament.gv.at)

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