Der Radius der meisten Kinder reicht hierzulande von der Haustür bis zum nächsten Spielplatz/Kiosk/Waldrand und zurück – jedes Lebensjahr ein paar hundert Meter weiter. Für mindestens 300.000 Altersgenossinnen und -genossen waren die Distanzen in den vergangenen Jahren der Flucht GANZ andere. Und: sie waren dabei mutterseelenallein. Jetzt schlägt UNICEF Alarm.

Seit 2010 habe sich die Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge verfünffacht, so das UN-Kinderhilfswerk in einem Bericht. Allein 2015 und 2016 seien in 80 Ländern etwa 300.000 von ihren Eltern getrennte unter 18-Jährige registriert worden – 2010 und 2011 waren es „nur“ 66.000.

Gehen oder Bleiben – Pest oder Cholera

Dabei gilt auch hier: Jedes Kind ist eins zu viel – überhaupt sollte niemand gezwungen sein, auf den oft extrem gefährlichen Routen diverse Landesgrenzen überwinden müssen, nur weil die Zustände daheim noch viel gefährlicher und unerträglicher sind. An diesen Wegen lauern Dinge, neben denen all die Wölfe und Banditen aus Märchen und Fabeln regelrecht niedlich wirken. Dinge namens Ausbeutung, Missbrauch, Tod.

Vor dem G7-Treffen kommende Woche in Italien hat das Kinderhilfswerk einen Sechs-Punkte-Plan vorgelegt. UNICEF fordert darin unter anderem, dass Kinder auf der Flucht vor Ausbeutung und Gewalt geschützt werden müssten. Auch sollten Mädchen und Jungen nicht mehr inhaftiert werden. Die „Einheit der Familie“ müsse gewahrt bleiben, jedes Kind brauche einen legalen Aufenthaltsstatus und der Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung müssen gewährleistet sein. Vor allem aber seien endlich die Fluchtursachen zu bekämpfen.

Jedes Kind ist eins zuviel

„Ein Kind, das alleine reist, ist eines zu viel und dennoch gibt es heute eine schwindelerregende Anzahl von Kindern, die genau das tun – wir als Erwachsene versagen, sie zu beschützen“, sagt der stellvertretende UNICEF Direktor Justin Forsyth. „Skrupellose Schmuggler und Menschenhändler beuten ihre Schutzlosigkeit für ihre persönlichen Vorteile aus, helfen den Kindern Grenzen zu überqueren, nur um sie in die Sklaverei oder Zwangsprostitution zu verkaufen. Es ist gewissenlos, dass wir Kinder nicht angemessen vor diesen Verbrechern verteidigen.“

Allein in Europa beantragten 2015 und 2016 den Angaben zufolge insgesamt rund 170.000 unbegleitete Kinder und Jugendliche Asyl. Der Anteil von Minderjährigen unter den Opfern von Menschenhandel liege bei annähernd 28 Prozent. Am häufigsten seien junge Afrikaner aus Gebieten südlich der Sahara sowie junge Menschen aus Zentralamerika und der Karibik betroffen.

Zum Weiterlesen

Alle Informationen zum UNICEF-Bericht „A Child is a Child: Protecting children on the move from violence, abuse and exploitation” und den kompletten Bericht gibt zum Download auf den Seiten von UNICEF.

Das Kinderhilfswerk sammelt weiterhin Spenden, die Kindern auf der Flucht zukommen.

Quelle: kathpress.at / UNICEF / red