Die Bilder der Revolution gingen vor einem Jahr um die ganze Welt. Tausende nahmen Anteil an der Hoffnungs-Bewegung auf dem Tahrir-Platz. Dass dies nur ein Anfang eines langen und mühsamen Weges war, zeigt heute der Blick nach Kairo.

Am 25. Jänner 2011 begann im größten arabischen Land eine Umbruchs-Bewegung, die nach wochenlangen Massendemonstrationen den Rücktritt von Staatschef Hosni Mubarak erwirkte. Die Bilder gingen damals um die ganze Welt. Mit ihnen die Begeisterung und der Zusammenhalt der ägyptischen Bevölkerung.

Ganz andere Bilder von Ägypten sehen wir heute.  Am Tahrir-Platz stehen sich die verschiedenen Gruppierungen misstrauisch bis feindselig gegenüber. Das Land ist gespalten. Armee, Islamisten und Demonstranten scheint mit dem Wegfall des gemeinsamen Feindes ein gemeinsames Ziel zu fehlen. Erneut gibt es Aufrufe zu Massenprotesten. So fodert die pro-demokratische Bewegung des 6. April die Bevölkerung auf, nicht auf die Straße zu gehen, um wie von der Regierung gewünscht "die Revolution zu feiern, sondern um die Ziele der Revolution voranzutreiben".

Neben den politischen Unsicherheiten steckt das Land wirtschaftlich in einer großen Krise. Sowohl Investoren als auch Touristen aus dem Ausland gingen zurück. Die Wirtschaft ist seit Beginn der Proteste massiv eingebrochen, fast die Hälfte der Bevölkerung lebt von einem Euro pro Tag. Die Lösung sozialer Probleme wird eine zentrale Aufgabe für die kommende Regierung sein und eine Grundbedingung für die politische Stabilität.

Mit den Parlamentswahlen sind die ersten Schritte in Richtung Demokratie zwar gesetzt, der Weg zur Demokratie bis hin zur Basis wird aber noch ein langer sein. Was hier vor allem geklärt werden muss, ist die Rolle des Militärs und der Muslimbruderschaft. Der ORF-Nahost-Korrespondent Karim El-Gawhary vergleicht diesen Entwicklungsprozess mit einem Fußballspiel. "Die neuen Kräfte haben in der 2. Spielminute ein entscheidendes Tor erzielt, nämlich den Rücktritt des von der Armee gestützten Präsidenten Hosni Mubarak, aber noch sind 88 Minuten zu spielen. Und die Schwierigkeit besteht darin, dass es in diesem 'Spiel' keinen Schiedsrichter gibt und die 'neue' Mannschaft ohne Trainer antritt."

Von Patricia Begle veröffentlicht am 24.01.2012

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