Auf der Suche nach ‚Unterbrechungen’ im Alltag habe ich festgestellt, dass im Grunde jede Veränderung mit einer Unterbrechung einhergeht.Wir leben quasi in einem Aneinander von Unterbrechungen.
Die meisten davon fallen uns gar nicht auf. Wer denkt denn schon beim Losgehen, dass gerade das Stehen unterbrochen wurde. Oder beim Schlucken, dass gerade das Kauen Unterbrechung fand. Von ‚Unterbrechung’ sprechen wir erst, wenn wir gewahr werden, dass etwas ein Ende findet - ein vorläufiges.
Die Gefühle, die dadurch hervorgerufen werden, sind sehr unterschiedlich: von störend bis zerstörend auf der einen Seite, von erleichternd bis zu befreiend auf der anderen. Es kommt sogar vor, dass Unterbrechungen, die erst als störend empfunden werden sich zu einem späteren Zeitpunkt als Erleichterung herausstellen. Zum Beispiel ein Telefongespräch, das die Konzentration von der Arbeit zwar ablenkt dessen Inhalt dann aber ein Gewinn ist. Eine Beurteilung wird deshalb erst vom Ende her – ja, vielleicht vom Lebensende her sinnvoll sein.
Die Bilder von Unterbrechungen wollen eine Schulung der Wahrnehmung sein. Sie möchten abbilden, was ist. Dabei soll stets eine Offenheit bewahrt werden, die vor jeder Art von Beurteilung schützt. Es geht lediglich darum, wahrzunehmen und anzunehmen – eine Lebensgrundhaltung, die dem großen Geheimnis ‚Leben’ näher rückt.
In einem Lied wird diese Haltung besungen: „Wechselnde Pfade, Schatten und Licht, alles ist Gnade, fürchte dich nicht.“ In dem Aneinander von Unterbrechungen, von Veränderungen und Brüchen jenes noch zu vernehmen, was bleibend ist, das wünschen wir allen LeserInnen für die Zeit auf Ostern hin!
Von Patricia Begle veröffentlicht am 21.02.2012

