Nach dem Untergang Westroms treten die Gebiete nördlich der Alpen politisch und dann auch künstlerisch immer mehr in den Vordergrund. Die Macht der deutschen Kaiser erstreckt sich zeitweise bis nach Italien und Spanien. Mit den Kreuzzügen kommt es auch zu regem kulturellen Austausch innerhalb der europäischen Länder. Europa wird durch das feudale Lehenssystem sozial und verwaltungsmäßig organisiert. Die Hierarchie der verschiedenen Stände (Adel, Rittertum, Klerus, Bürger, Bauern), die durchgehende kirchliche Organisation über Pfarren und Diözesen und das Aufblühen der Klöster (Benediktiner, Zisterzienser) führen zu einer gewissen europäischen Einheit auch im geistigen und künstlerischen Sinn.

Diese politische Regenerierung in Europa verbunden mit politischer und wirtschaftlicher Stabilität und einem Christentum, das alle Lebensbereiche durchdringt, führt zu einem ungeheuren Aufschwung der Baukunst, sodass mit der Romanik erstmals von einem einheitlichen Stil gesprochen werden kann.

Zu Beginn der Romanik war die deutsche Architektur führend. Prägend war der Kaiserdom von Speyer (begonnen 1030, vollendet 1061), der erstmals die Mauermasse in ihrem körperhaften Wert betont. Das etwas später entstandene französische Gegenstück, die Abteikirche von Cluny, einst der größte romanische Kirchenbau überhaupt, hat die kompakte Geschlossenheit beim Wandbau bereits wieder gelockert (Gliederungen, Wandöffnungen).

Als Haus Gottes erscheint die romanische Kirche in ihrer wuchtigen, festungsartigen Bauweise wie eine Himmelsburg. Burg und Stadt waren in dieser Zeit fast gleichbedeutend, sodass auch die himmlische Gottesstadt einen burgähnlichen Charakter annimmt (vgl. Kreuzzüge). Die Türme sollen die himmlische Höhe dieser burgartigen Stadt Gottes betonen. Es ist die Zeit der Ritter, Burgen und Kreuzzüge und somit verständlich, dass sich die Menschen dieser Zeit das Abbild des Himmlischen Jerusalems als Himmelsburg gebaut haben.

Subjektive Wahrnehmung
Die romanische Baukunst hat einen gewissen ‚objektiven‘ Charakter. Das Haus Gottes steht da, wuchtig, unverrückbar, vorgegeben und nicht in sinnlicher Weise um die Gläubigen buhlend. Die Gläubigen können hinein gehen oder auch nicht. Sie sind dann der kleine Teil des großen Ganzen. Die Dimensionen und Verhältnisse mögen insgesamt groß sein, stehen aber in einem guten, geerdeten Maß zueinander und zum Menschen, so wie sie auch klar wahrnehmbar sind.

Architektonische Merkmale
Plastik und Malerei