Plastik und Malerei der Gotik:

  • Reicher Bauschmuck an den Portalen und im Kircheninneren (Figuren, bildlich gestaltete Schlusssteine, Ornamentschmuck, pflanzliche Ziermotive)
  • Kanzeln, Chorgestühl, Taufsteine usw. werden reich geschmückt.
  • Figuren werden bewegter, gotisches „S“ in der Körperhaltung, der Faltenwurf weicher und zunehmend bewegter, Steinfiguren, geschnitzte Holzfiguren
  • Große Kreuze, auf denen Christus jetzt als leidender Mensch hängt
  • Große Flügelaltäre bemalt oder auch geschnitzt, oft vor der Chorapsis
  • Durchgestaltete Sakramentshäuschen für die Hostienbehälter
  • In den Glasfenstern (in Italien auch an den Freskenwänden) werden ganze Bildzyklen dargestellt - meist mit Geschichten aus dem Alten oder Neuen Testament. Diese sog. Biblia pauperum (lat.: Bibel für die Armen) soll den Menschen, die nicht lesen können (und Bücher waren auch immens teuer) die biblischen Geschichten über Bilder näherbringen.
  • Andachtsbilder zur inneren Vertiefung, Vesperbilder mit Maria und dem Leichnam Jesu auf dem Schoß (Pieta)
  • Mariendarstellungen und Szenen aus dem Marienleben gewinnen an Bedeutung: Maria wird als der ideale Mensch gesehen.

Die Darstellung des Gekreuzigten
Die neuen Qualitäten der Gotik können in der bildenden Kunst auch an der Darstellung des gekreuzigten Christus festgemacht werden. Auf romanischen Kruzifixen wird er durchweg als König dargestellt, manchmal sogar in königlichem Gewand mit Krone. Er ist bereits am Kreuz der, der den Tod besiegt und überwunden hat. Auch in der Haltung steht Christus gleichsam am Kreuz, die Füße meist nebeneinander und einzeln angenagelt (Viernagelkreuz). Auf gotischen Kruzifixen wird hingegen Christus als leidender Mensch dargestellt, der nun schmerzhaft am Kreuz hängt und die beiden Füße übereinander angenagelt hat (Dreinagelkreuz).
In den spätantiken Mosaiken Ravennas wurde bei den Darstellungen aus dem Leben Jesu die Kreuzigung völlig ausgespart. Es wäre Menschen damals vermutlich unpassend vorgekommen, Christus überhaupt am Kreuz abzubilden. Für die Zeit der Gotik hat Bernhard von Clairvaux eine ganz neue Devise formuliert: „Die Erinnerung an den Tod Jesu regt mehr zur Frömmigkeit an als die Erinnerung an sein Leben.“ Frömmigkeit als innere Haltung verbunden mit persönlichem religiösem Erleben ist auch das, was die gotische Kathedrale den Gläubigen vermitteln will.