Schon im dritten Jesaia-Buch (Jes 67,15) und dann bei Paulus gibt es selbstverständlich auch den Gedanken, dass der Gerechte selbst bzw. der an Christus glaubende Mensch als solcher lebendiger Tempel Gottes ist, dass Gott in ihren Seelen wohnt. Als Paulus in Athen die vielen Tempel mit ihren Götterstatuen sieht, spricht er Klartext: „Gott, der die Welt erschaffen hat und alles in ihr, er, der Herr über Himmel und Erde, wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand gemacht sind.“ (Apg 17,24 )

Es scheint fast, als würde Paulus das alttestamentliche Bilderverbot auch auf den Bau von Tempeln und damit Gotteshäusern anwenden. Die Spiritualität des Apostels spricht gegen jede Dinghaftigkeit: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1 Kor 3,16). Oder: „Wie verträgt sich der Tempel Gottes mit Götzenbildern? Wir sind doch der Tempel des lebendigen Gottes; denn Gott hat gesprochen: Ich will unter ihnen wohnen und mit ihnen gehen.“ (2 Kor 6,16).

Darin liegt vermutlich auch der Grund, warum das vorkonstantinische Christentum gar nicht auf den Bau repräsentierender Kirchen drängte. Auf Dauer scheint es für die Menschen aber eine hilfreiche Unterstützung zu sein, wenn sie einen ansprechenden Ort haben, der ihre religiösen Gefühle und Hoffnungen auch räumlich repräsentiert.