In Athen (Apg 17,16-3) war Paulus konfrontiert mit der antiken Götterwelt in ihrer ganzen Fülle. Angesichts der Pracht der marmornen Tempel verkündete der Apostel: „Gott, der die Welt erschaffen hat und alles in ihr, er, der Herr über Himmel und Erde, wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand gemacht sind.“ (Apg 17,24)

Diese Kritik geht über die alttestamentliche Kritik an der Verehrung von Kultbildern hinaus, denn hier wird der Tempel selbst in Frage gestellt; und noch stand auch in Jerusalem der Tempel. Paulus greift in seiner Rede auf dem Areopag etwas philosophisch verklausuliert (er weiß, vor wem er redet) den Grundgedanken der Schöpfungsgeschichte auf. Gott hat die Menschen nach seinem Abbild erschaffen und deshalb sollen sie ihn suchen, der seinen Geschöpfen nicht fern ist:

„Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir, wie auch einige von euren Dichtern gesagt haben: Wir sind von seiner Art. Da wir also von Gottes Art sind, dürfen wir nicht meinen, das Göttliche sei wie ein goldenes oder silbernes oder steinernes Gebilde menschlicher Kunst und Erfindung.“ (Apg 17,28-29)

Paulus‘ Generalangriff auf die antike Götterwelt Athens war nur von bescheidendem Erfolg; zu verschieden waren vermutlich die Mentalitäten.

Für eine Theologie des Bildes wichtig ist aber der Aspekt der Ebenbildlichkeit Gottes. Was im Alten Testament kaum noch so ausgesprochen wurde, wird hier deutlicher: Der Mensch ist das eigentliche Kultbild Gottes. Nicht der herrschende Großkönig oder jeweilige Kaiser ist Abbild seines Gottes, sondern jeder einzelne Mensch als solcher ist die Vergegenwärtigung Gottes auf Erden.