Atheisten wissen manchmal sehr genau, wo unsere Stärken liegen: „Sowohl Christentum als auch Judentum sowie der Buddhismus haben bedeutende Beiträge zur etablierten Politik geleistet, doch ihre Relevanz für die Probleme der Gemeinschaft sind wohl nie größer, als wenn sie vom modernen politischen Skript abweichen und uns in Erinnerung rufen, welch großen Nutzen es bringt, wenn man mit Hunderten von Bekannten in einem Gebäude oder in einer Halle steht und gemeinsam einen Choral singt oder wenn man feierlich die Füße eines Fremden wäscht oder mit Nachbarn an einem Tisch sitzt, gemeinsam einen Lammeintopf isst und sich dabei unterhält – die Art von Ritualen also, die im gleichen Maße wie Debatten in den Parlamenten und an den Gerichtshöfen dazu beitragen, unsere zänkische und labile Welt zusammenzuhalten.“ (Alain de Botton, Religion für Atheisten)

Bei einer Befragung nannten gerade die ‚treuen Kirchenfernen’ immer wieder den Wunsch nach einer „schönen Messe“. Auch wenn diese Menschen kaum sagen können, worin ‚das Schöne’ liegt, wissen sie, ob eine Messe ‚schön’ war oder nicht. Das Schöne, Wahre und Gute sind eine göttliche Einheit. Deshalb ist es nicht oberflächlich, sich mit der Ästhetik unseres Glaubens zu beschäftigen.

Die Gestaltung des Gottesdienstes war immer schon ein zentraler Bereich katholischer Glaubenspraxis. Die säkulare Gesellschaft kopiert uns in vielen Bereichen. Umso mehr sollte es ein dauerndes Bemühen sein um eine feierliche und würdevolle Liturgie. Gemeindebildung und Diakonie bleiben wichtige Aufgaben, doch es gilt das eine zu tun, ohne das andere zu lassen. Es gibt auch eine kulturelle Diakonie.

„Ich weiß nicht, ob ich an Gott glaube,
aber an den Gottesdienst glaube ich.
Die Eucharistie ist für mich spannender,
die Tränen, die Freude, die man dabei empfindet,
sind wahrhaftiger als die offizielle Religion.“
Peter Handke