Grundzüge der Bilderkritik blieben über das Frühchristentum hinaus erhalten und offensichtlich ist es schon vor dem großen Bilderstreit zu gelegentlichen Zerstörungen von Bildern gekommen. In dieser Sache wendet sich Papst Gregor der Große um das Jahr 598 an den Bischof von Marseille, der in dieser Sache aktiv geworden ist. Gregor bringt in seinem Brief erstmal die pädagogische Funktion der Bilder ein und trennt sie gleichzeitig von der Anbetung der Bilder, die auch er klar ablehnt:

„Auch gebe ich Euch kund, es sei uns schon vor längerer Zeit zu Ohren gekommen, Eure Brüderlichkeit habe in den Kirchen Bilder zertrümmert und hinausgeworfen, weil einige Leute dieselben angebetet hätten. Wir loben es zwar, dass Ihr Eifer gegen die Anbetung von Menschenwerken gehabt habet, aber müssen Euch doch sagen, dass Ihr diese Bilder nicht hättet zertrümmern sollen. Denn darum werden in den Kirchen Gemälde verwendet, damit die des Lesens Unkundigen wenigstens durch den Anblick der Wände lesen, was sie in Büchern nicht zu lesen vermögen. Deine Brüderlichkeit hätte also dieselben belassen, wohl aber das Volk von der Anbetung derselben abhalten sollen, damit einerseits die des Lesens Unkundigen Gelegenheit haben, sich die Kenntnis der heiligen Geschichte zu erwerben, anderseits aber das Volk nicht durch Bilderanbetung sündige.“

In der Ablehnung der Anbetung von Bildern bleibt Gregor sehr klar, bringt aber eine nicht unwesentliche Unterscheidung ein: Es kommt darauf an, was man mit den Bildern macht.

Gregor der Große hebt den pädagogischen Wert von Bildern ausdrücklich hervor und begründet damit das, was im Mittelalter als Biblia Pauperum, als Bibel der Armen, zum Begriff wird. Bilder sind Lektüre für die, die nicht lesen können. Es würde der Ästhetik des Glaubens nicht gerecht werden, die christliche Bilderwelt allein auf diese praktische Funktion zu reduzieren, doch in der Ausmalung ganzer Kirchen oder später auch in gedruckten Blättern spielt dieser Aspekt fortan mit.