Es waren sicher auch politische Gründe, warum vom Hof Kaiser Karls des Großen Widerstände gegen den Konzilsbeschluss von Nicäa kamen. Die oströmische Kaiserin allein berief das Konzil ein, während der fränkische Kaiser umgangen wurde. Zudem lag den Theologen der Hofschule nur eine mangelhafte lateinische Übersetzung des Konzilsbeschlusses vor. Das Gutachten, zu dem Kaiser Karl seine Theologen beauftragte und wie es in den Libri Carolini festgehalten wurde, widerspricht der Theologie des Konzils. Allerdings wurden diese Schriften mit Rücksicht auf den Papst nicht publiziert.

Die Art der Bilderverehrung der Ostkirche war den Franken fremd und so wurde diese Form der Bildpraxis zurückgewiesen. Bilder werden zwar grundsätzlich akzeptiert, doch sie können nicht denselben Stellwert haben wie Reliquien oder das Evangelium. Die Beschriftung der Ikonen sahen sie eher als einen Trick der Bilderverehrer. In dieser Reaktion der fränkischen Theologen kommt vermutlich wieder das eher nüchterne Bildverständnis des Westens zum Ausdruck. Sie sind nicht gegen Bilder und diese sollen auch nicht zerstört werden, sie können ihnen aber nicht den Stellenwert zumessen, den sie in der Ostkirche haben. Das Malen von Bildern ist etwas Weltliches, eine menschliche Kunst und nicht ein irgendwie religiöser Akt. Ansonsten könnte das Bild zu einem Mysterium und damit zum Idol gemacht werden. Numinose Qualitäten eines Bildes schließt diese westliche Position aus, schafft damit aber Raum für die kreativ-künstlerische Tätigkeit des Menschen.