Die „devotionis affectum“ des Thomas von Aquin, die durch Bilder hervorgerufen werden soll, kann man mit frommen Gefühlen, frommer Gesinnung oder andächtiger Stimmung übersetzen und meint letztlich das, was ab dem Mittelalter mit „Andacht“ zum Topos der religiösen Kultur des Christentums wird. Hier ist nicht nur das Gebet oder ein kurzer Gottesdienst gemeint, sondern das ganze Spektrum von der inneren Sammlung, der geistlichen Hinwendung, der Hingabe bis zur religiösen Versenkung. Mit dem dritten Zweck der Bilder wird die Bildandacht grundgelegt, die in der mittelalterlichen Subjektivierung des christlichen religiösen Lebens zu einem zentralen Punkt wird.

Neue religiöse Qualitäten treten ab dem 12. Jahrhundert in den Vordergrund. Vor allem mit Bernhard von Clairvaux, der in den Zisterzienser-Kirchen zwar keinen Wert auf Bilder legte, ist eine Entwicklung verbunden, die von den Zisterziensern und später den Bettelorden der Franziskaner und Dominikaner getragen wurde, in der das persönliche religiöse Erleben zu einem entscheidenden Faktor wird; letztlich mündend in die spätmittelalterliche Mystik. Die subjektive Innerlichkeit, die Versenkung und Anbetung, die persönliche Andacht, das eigene psychische Erleben rückt stark in den Vordergrund und dabei spielen Bilder und zunehmend auch Plastiken (Vesperbild, Pietà) eine zentrale Rolle. Es entsteht im Westen eine neue Form der Umgangsweise mit Bildern. Der gläubige Mensch tritt vor dem Andachtsbild in einen inneren Dialog mit dem Dargestellten, wobei gerade die Art der Darstellung ein persönliches Mitempfinden oder auch Mitleiden ermöglichen soll. Dieser neue Umgang mit Bildern beeinflusst auch die Inhalte und die Form der Darstellung, die zu diesem Mitfühlen und Mitleiden anregen sollen (Gotik).