In den vier Evangelien sind Bildwerke kein Thema. Sie spielen im Zusammenhang des Lebens Jesu und seiner Lehre keine Rolle, weder so noch so. Auch seine Kritik am Tempelkult (Tempelreinigung u.a.) ist keine Kultbildkritik; zumal der Tempel zur Zeit Jesu kein Kultbild enthielt.

Bilder sind kein Thema, was aber doch viel zur Entwicklung der christlichen Bilderwelt beigetragen hat, ist die bildreiche Sprache der Evangelien sowohl in Gleichnissen und Geschichten wie in den vielen bildhaften Bezeichnungen. Allein die Bezeichnungen für Christus in den Evangelien sind ein sprachlicher Reigen von Bildern: Vater und Sohn, Menschensohn, Messias, Herr, Erlöser, Sohn Davids, Bräutigam, Friedensfürst, Lamm Gottes, Licht der Welt, Brot des Lebens, Guter Hirte u.v.a.m.

Es sind sprachliche Bilder, die beim Sprechen oder Hören auch in unserem Gehirn abgebildet werden. Das wusste schon Augustinus, wenn er schreibt: „Auch das Antlitz des Herrn wird in zahllosen, verschiedenen und wechselnden Vorstellungsbildern ausgemalt, wenngleich es nur eines war, wie immer es auch war.“1 Wir können kaum anders, als uns Bilder zu machen zumindest im Kopf; verboten werden kann höchstens deren handwerkliche Darstellung. Die vielen Bilder für Christus in den Evangelien drängen fast nach ihrer Darstellung, was vielleicht als erste biblische Spur zur späteren christlichen Bilderwelt gelten kann.