Wie in der Antike üblich befand sich auch beim salomonischen Tempel der Eingang im Osten, das Allerheiligste im Westen. Die christlichen Kirchen wurden später meistens umgekehrt gebaut mit dem Eingang im Westen und der Ausrichtung nach Osten. In den frühchristlichen Kirchen lässt sich diese Ausrichtung noch nicht durchgängig beobachten (Rom, Ravenna). Erst im Frühmittelalter wird die sog. Ostung zu einer Regel, der ein theologischer Gedanke zugrunde liegt. Die Sonne geht im Osten auf und steht symbolisch für Christus, das Licht, und damit symbolisiert die aufgehende Sonne die Auferstehung.

Der Vergleich mit der Ausrichtung des Gebets der Muslime nach Mekka trifft die Sache aber nicht genau. Die Ostung der christlichen Kirchen ist ein kultischer Brauch, aber keine zwingende Vorschrift, ohne die beispielsweise ein liturgischer Vollzug nicht gültig wäre. Es gibt immer wieder Kirchen, die aus verschiedenen Gründen (geologische Beschaffenheit des Untergrunds, Lage in der Stadt usw.) nicht nach Osten ausgerichtet sind. So öffnet sich die Dornbirner Stadtpfarrkirche selbstverständlich zum Marktplatz hin und zeigt ihm nicht den Rücken, auch wenn das die östliche Ausrichtung wäre. Umgekehrt hat beispielsweise die Stadtpfarrkirche von Bad Radkersburg (Steiermark) kein wirkliches Portal, weil sie konsequent geostet wurde und damit die Westfront mit der Stadtmauer zusammen fällt. Damit ragt die gotische Apsis der Kirche in die Altstadt hinein, ohne dass die Kirche einen frontalen Haupteingang hat.