Die Bilderflut des Spätmittelalters steigerte sich nochmal im 15. und 16. Jahrhundert mit der kunsthistorisch so bedeutenden Renaissance. Die erneute aufkeimende Bilderkritik, die zunehmend auch die Kosten der Bilderflut zum Thema machte, kam nicht nur von den Reformatoren, sondern auch von Humanisten wie Erasmus von Rotterdam, die vor allem den Aberglauben, der in der Volksreligiosität manchmal fast wuchernden Bilderkultur, anprangerten. Die legitimierte Bilderverehrung steht offensichtlich immer wieder in Gefahr zur Bildmagie zu werden und zusammen mit unhinterfragten Legenden und Wunderglauben zu fragwürdigen Kultpraktiken zu führen. Die Bilderverehrung verlangt demnach nach einem steten glaubensästhetischen Korrektiv; soviel scheint die Geschichte zu lehren.

Die Renaissance war ein unvergleichlicher kultureller Aufbruch, der die neuen Sichtweisen und künstlerischen Möglichkeiten vorerst vor allem in die religiöse Kunst einbrachte und dabei ein Spektrum von faszinierenden neuen, manchmal vielleicht auch zu hinterfragenden Bilderwelten hervorbrachte. So wie Savonarola schon im 15. Jahrhundert nicht nur den Lebenswandel von Adel und Klerus anprangerte, sondern ebenso die Laszivität der religiösen Kunst seiner Zeit, führte nördlich der Alpen Zwingli einen Kampf gegen die Renaissancekunst, die oft unter dem Deckmantel der Frömmigkeit nur sinnliche Augenlust befriedige.

Auslöser für die reformatorischen Bilderstürme war Karlstadts Schrift „Von Abtuhung der Bilder“, die 1522 in Wittenberg zu den ersten Bilderzerstörungen führte. Die „Ölgötzen“, wie Karlstadt die Bilder nannte, hätten nicht nur in Kirchen nichts verloren, sondern seien auch keine Bücher für Laien (biblia pauperum), da das Wort Gottes allein und nur geistlich für die Gläubigen nützlich sei.

Martin Luther, vielleicht auch erschrocken über die Vorgänge in Wittenberg, ist gegen den Bildersturm eingeschritten, der an manchen Orten pöbelhafte Züge angenommen hatte. Wenn Bilder zu reformieren seien, dann durch eine kundige Obrigkeit und nicht durch den Tumult der Straße, wandte er sich gegen verschiedene Auswüchse. Seine Haltung zur Bilderfrage ist wesentlich differenzierter. Auch Luther unterscheidet zwischen Anbeten und Gedenken, wobei er der Memoria (vgl. Thomas von Aquin), dem Im-Gedächtnis-Halten des Heilsgeschehens einen hohen Wert beimisst. Gegen Karlstadt bringt Luther ins Spiel, dass auch seine Bibelübersetzung derart voll von (sprachlichen) Bildern sei und warum es dann nicht statthaft sein solle, diese Bilder auch für die Augen sichtbar zu machen.

In den reformierten Kirchen blieb der Bildersturm allerdings legitimiert und so leerten sich in diesen Gebieten die Kirchen im Sinne der ‚Abschaffung des Götzendienstes‘ zu reinen Versammlungs- oder Predigträumen, die außerhalb der Gottesdienstzeiten verschlossen bleiben, da diesen Räumen keine weitere Bedeutung zugemessen wird.

Das Konzil von Trient reagierte auch auf die Bilderfrage, brachte aber in seinen Traktaten zum Thema nichts essentiell Neues. Neben der Bestätigung der grundsätzlichen Positionen aus dem byzantinischen Bilderstreit und der Scholastik ging es dem Konzil eher um ein moralisches Regulativ. Die kirchliche Obrigkeit sollte stärker auf die Rechtgläubigkeit der Bildsujets und ihrer Ausführung achten und gegen die Laszivität einschreiten, wie es bespielweise in der Übermalung nackter Renaissancebilder dann geschah.