Die Kritik an Götzenbildern ist Inhalt der Geschichte vom „Aufruhr der Silberschmiede“ in Ephesus (Apg 19,21-40). Die Stadt Ephesus, und davon kann sich heute noch jeder Tourist überzeugen, war in der Antike eine der bedeutendsten griechischen Städte Kleinasiens und beherbergte mit dem Tempel der Artemis (Artemision) eines der Sieben Weltwunder. Als der Apostel Paulus vermutlich im Jahr 55 n. Chr. nach Ephesos kam, hatte der Artemiskult einen Umfang angenommen, dass viele um ihre wirtschaftliche Existenz fürchteten. Ein „Silberschmied namens Demetrius, der silberne Artemistempel herstellte und den Künstlern viel zu verdienen gab“, ahnte konkrete Gefahr durch den Apostel, der seine Helfer schon vorab nach Ephesus geschickt hatte. Demetrius bringt sein ökonomisches Interesse klar auf den Punkt: „Männer, ihr wisst, dass wir unseren Wohlstand diesem Gewerbe verdanken.“ (Apg 19,25) Paulus hingegen verkünde in der ganzen damals römischen Provinz Asien, dass die mit Händen gemachten Götter keine Götter seien. Damit käme nicht nur ihr Geschäft in Verruf – man stelle sich heute Ephesus ohne Touristenläden vor -, sondern die große Göttin Artemis selber würde dann nicht mehr gelten. Das ganze Kultgeschäft, um das es Demetrius geht, wurzelte in der Verehrung der großen Artemisstatue in ihrem Tempel und von der Göttlichkeit dieser Statue leitete sich die Göttlichkeit ihrer käuflichen Reproduktionen ab. Das Bildnis der Artemis selbst galt als direkt vom Himmel gefallen.

Es ging um den Wohlstand der Handwerker und Händler von Ephesus und so kam es zu einem großen Aufruhr und alle stürmten in das Amphitheater. Paulus, der sich der Volksversammlung stellen wollte, wurde von hohen, wohlmeinenden Beamten geraten, dort eher nicht hin zu gehen. Nachdem fast zwei Stunden lang geschrien wurde „wie aus einem Mund: Groß ist die Artemis von Ephesus!“, gelang es dem Stadtschreiber, die Menge zu beruhigen mit dem Argument, dass die Sache bei den Gerichten vorzubringen sei oder bei einer gesetzlichen Versammlung, aber nicht in einem solchen Volksauflauf geklärt werden könne. Die Argumente, die in dieser bewegten Erzählung dem Apostel indirekt zugeschrieben werden, sind nichts anderes als die alttestamentliche Kritik an den Götzenbildern.