frauenTEXTE

Hier wächst eine Sammlung von spirituellen, politischen und poetischen Texten. Viel Freude beim Lesen! 

22.03.2011

immer
wenn ich mich
von Neuem dir nähere
ganz scheu
als wäre es das
erste Mal
erfahre ich
deine Verwundbarkeit
aber auch dein Anruf
sei mir willkommen!

wenn du willst
öffne ich mich dir
ich bin
deshalb
aufgebrochen

Angelika Gassner

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22.11.2010

Lange habe ich gewartet.
Als der Platz, den ich Ihm aussparen wollte,
leer blieb, hab ich ihn nach und nach
mit Menschen besetzt.
Und auf einmal - ganz schlicht -
war Er gekommen
und ist da.

Christine Busta

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20.09.2010

Die Treue zu deiner Sehnsucht
ist die Erfüllung des Lebens.

Christine Busta

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19.09.2010

Deine Welt wird froh und glücklich, wenn du du bist.

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31.08.2010

Es ist schlimmer ...

Es ist schlimmer, einen geliebten Menschen
an das Leben zu verlieren
als an den Tod.

Das Leben ist der gefährliche Räuber,
nicht der Tod.
Er tastet die Liebe nicht an.
Er bewahrt und erweitert sie
zu einer neuen Dimension.

Christine Busta, Mai 1986
Quelle: Christine Busta, Der Himmel im Kastanienbaum, Gedichte, 1989, Otto Müller Verlag Salzburg

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20.08.2010

Die schwersten Wege

Die schwersten Wege
werden alleine gegangen,
die Enttäuschung, der Verlust,
das Opfer,
sind einsam.
Selbst der Tote
der jedem Ruf antwortet
und sich keiner Bitte versagt
steht uns nicht bei
und sieht zu
ob wir es vermögen.
Die Hände der Lebenden die sich ausstrecken
ohne uns zu erreichen
sind wie die Äste der Bäume im Winter.
Alle Vögel schweigen.
Man hört nur den eigenen Schritt
und den Schritt den der Fuß
noch nicht gegangen ist aber gehen wird.
Stehenbleiben und sich Umdrehn
hilft nicht. Es muss
gegangen sein.
Nimm eine Kerze in die Hand
wie in den Katakomben,
das kleine Licht atmet kaum.
Und doch, wenn du lange gegangen bist,
bleibt das Wunder nicht aus,
weil das Wunder immer geschieht,
und weil wir ohne die Gnade
nicht leben können:
die Kerze wird hell vom freien Atem des Tags,
du bläst sie lächelnd aus
wenn du in die Sonne trittst
und unter den blühenden Gärten
die Stadt vor dir liegt,
und in deinem Hause
dir der Tisch weiß gedeckt ist.
Und die verlierbaren Lebenden
und die unverlierbaren Toten
dir das Brot brechen und den Wein reichen -
und du ihre Stimmen wieder hörst
ganz nahe
bei deinem Herzen.

Hilde Domin

13.07.2010

Wort an Wort

Wir wohnen
Wort an Wort

Sag mir
dein liebstes
Freund

meines heißt
DU

Rose Ausländer

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11.07.2010

mit sara lachen

und sara lachte
kann nicht glauben
an das wunder
zu schwer
lastet enttäuschte hoffnung

und sara lachte
ahnend
dass im dunkel verborgen
ganz leise
das wunder geschieht

***

10.07.2010

mit abram ausziehen

ob sie über ihn lachten
er sei verrückt
(und außerdem viel zu alt)
alles zu verlassen
vertrautes, liebgewordenes
er würde alles aufs spiel setzen
wegen nicht mehr als eines traumes
von einem unbekannten land

ich will mit abram ausziehen
nicht wissend wohin sein weg mich führt
ob es ver-rückt ist zu hoffen
dass seine zusage gilt (auch mir):
du sollst wachsen und reifen
ein segen sollst du sein
für die menschen
die dir begegnen

abraham

sieger köder

***

ins schweigen

die worte versiegt
schweigen
unerträgliche leere
stille
voller sehnsucht
lausche ich
ob ich es höre
dein herz
im herzen gottes

P. Solveig

***

im herzen gottes

wer einst
gekostet die tiefe
erfahren das mehr
erlitten die sehnsucht
erahnt die liebe

will nicht mehr
zurück
will bleiben
für immer

P. Solveig

***

Ich möchte bei dir sein

Zuzeiten verdunkelt sich
dein Leben.
Wo du auch hinblickst:
Du nimmst nichts wahr
als Nacht.
Du schaust zurück,
und alles ist verfinstert.
Du schaust nach vorn:
nichts als Dunkelheit.
Du empfängst Zeichen der Liebe,
aber du misstraust ihnen.
Die Erfahrung hat dich gelehrt,
dass das Licht
zurückkehrt
und dennoch stehst du da
mit leeren Händen,
wagst nicht zu glauben
an den neuen Morgen,
weißt keinen Gott mehr,
obwohl du ihm begegnet bist.

Gib mir die Hand.
Ich möchte schweigend
bei dir sein
und mit dir warten,
bis die Nacht vorübergeht.

S. Naegli