Um das Leben und den Tod der heiligen Barbara ranken sich viele Legenden. Aber selbst wenn ihre Existenz historisch nicht gesichert ist, ist doch eines geblieben: Ihre Verehrung als eine der vierzehn Nothelfer, als Schutzpatronin und die Tradition der Barbarazweige am 4. Dezember.

Bild rechts: Die Heilige Barbara in einem Fresko am Apsisbogen der Kirche St. Jakob in St. Ulrich in Gröden - Brixner Schule 15. Jahrhundert


Der Legende nach lebte Barbara von Nikomedien  Ende des 3. Jahrhunderts in der Türkei unter Kaiser Gaius Galerius Valerius Maximinus, genannt Daja und war nicht nur mit einem scharfen Verstand, sondern auch mit Schönheit gesegnet. Barbaras heidnischen Vater versuchte sie von der Außenwelt abzuschirmen und sperrte sie in einen eigens dafür gebauten Turm ein. Ob ihn die Eifersucht oder die Angst sie könnte den falschen heiraten dazu bewog ist in jeder Legende anders. Hauptgrund für ihr "Gefängnis" dürfte aber der Versuch Barbaras Hinwendung zum Christentum abzuwehren, gewesen sein.

Barbara wird Christin...
Während der Vater auf Reisen war, ließ Barbara sich einer Überlieferung zufolge taufen: vom Heiligen Geist erleuchtet, sei sie in ein heidnisches Opferbecken gestiegen und habe die Taufe durch Johannes den Täufer, der ihr erschien, erhalten.  Barbara bekehrt sich zum Christentum und lässt ein zusätzliches drittes Fenster als Zeichen der Dreifaltigkeit in den Turm (einer anderen Legende zufolge dem angrenzenden Badehaus) bauen.

... verfolgt....
Als der Vater bemerkt, dass er seine Tochter Christin geworden ist, versucht er sie davon abzubringen und will sie der Legende zufolge sogar töten. Sie flieht ins Gebirge und verbirgt sich in einer Höhle, aber ein Schafhirt verrät Barbara an den Vater. Der Hirte wird zur Strafe von Gott in einen Mistkäfer verwandelt - nach anderer Überlieferung zu Stein und seine Schafe zu Heuschrecken.

... und getötet.
Der Vater bringt Barbara zum römischen Statthalter Marcianus, der sie mittels Geißelung vom Christentum abbringen will und - als es nicht funktionert - zum Tode verurteilt.In der Gefängniszelle erschien ihr Christus und heilte ihre Wunden. Der Statthalter lässt die uneinsichtigen Barbara mit Keulen schlagen, ihr die Brüste abschneiden, sie mit Fackeln brennen. Sie wird Gericht gestellt und verurteilt, sich nackt auf dem Markt den Blicken der Leute preiszugeben; auf ihr Gebet hin wird sie aber mit Wolken und Nebel (anderen Legenden zufolge von einem Engel mit einem schneeweiß leuchtenden Gewand) bedeckt. Letztendlich enthauptet der rachsüchtige Vater selbst seine Tochter, wird darauf vom Blitz getroffen und verbrennt.

Nothelferin und Patronin
Die heilige Barbara zählt zu den Vierzehn Nothelfern. Sie wird gegen Gewitter, Feuergefahr, Fieber, Pest und allgemein gegen plötzlichen und unvorhersehbaren Tod angerufen. Vielleicht deswegen ist Barbara Schutzpatronin der Bergleute, Hüttenleute, Geologen, Glöckner, Glockengießer, Schmiede, Maurer, Steinmetze, Zimmerleute, Dachdecker, Elektriker, Architekten, Artilleristen, Kampfmittelbeseitiger, Pyrotechniker, Feuerwehrleute, Helfer des Technischen Hilfswerks (THW), Totengräber, Hutmacher, der Mädchen und der Gefangenen.

Barbarazweige
Nach einer alten Tradition schneidet man am Barbaratag Zweige von einem Obstbaum und stellt sie ins Wasser. Wenn diese am Weihnachtsfest blühen, wird das als gutes Zeichen für die Zukunft gewertet. Dieses Brauchtum soll auf Barbaras Gefangenschaft zurückgehen: Der Legende nach hat sie einen verdorrten Kirschbaumzweig mit Tropfen aus ihrem Trinknapf benetzt. In den letzten Tagen ihres Lebens, schon im Bewusstsein ihres Todesurteils, fand sie Trost darin, dass der Zweig in ihrer Zelle blühte.