- Zeit
- Montag, 06.02.2012 20:00 bis 22:00
- Ort
- Kolpinghaus, Dornbirn
Griechenland, Österreich und Co.
Österreich ist unlängst von einer bekannten Ratingagentur in seiner Kreditwürdigkeit herabgestuft worden. Das bedeutet, dass Österreich künftig mehr Zinsen für das Geld, das es auf dem Kapitalmarkt aufnimmt, bezahlen muss. Je schlechter das Rating, d.h. je ärmer und wirtschaftlich schwächer ein Land ist, desto schwieriger wird es für dieses Land, an das nötige Geld zu kommen. Soweit, bis einem Land wie z.B. Griechenland die Pleite droht.
Um die lieben Zinsen scheint sich nahezu alles zu drehen: Für jegliche Art von Krediten müssen im Regelfall Zinsen bezahlt werden. Die ganze Wirtschaft lebt davon, dass die Menschen und die Unternehmen Geld zur Verfügung haben, das sie ausgeben, investieren und im besten Fall zur Vermehrung bringen. Und es gibt und gab seit jeher Menschen, die dieses Geld hatten und es vorgestreckt haben - wo also liegt das Problem?
Ist überhaupt eine funktionierende Weltwirtschaft ohne Zinssystem denkbar?
Sowohl im 3. Buch Mose als auch im NT bei Lukas (6,35) finden sich Hinweise für ein religiös motiviertes Zinsverbot, das über die Jahrhunderte auch im christlichen Abendland Geltung fand. Mit dem Beginn der Neuzeit jedoch änderte sich dies. Der steigende Kapitalbedarf einer schnell wachsenden Wirtschaft war ohne den gewerblichen Geldverleih nicht mehr möglich. Die moderne Wirtschaft kommt ohne die zinsnehmende Geldwirtschaft nicht aus, so scheint es. Längst hat die Geldwirtschaft gegenüber der Realwirtschaft die Überhand gewonnen.
Ein Verbot zum Schutz der Armen
Dabei sollte das Zinsverbot im biblischen Sinn dem Schutz der Armen dienen - einen solchen Schutz braucht es auch heute noch, zumal die Kluft zwischen Arm und Reich auf unserer Welt durch das globale Zinssystem immer weiter verschärft wird. Zinsen bewirken einerseits die Konzentration immer höherer Guthaben und andererseits einen immer größer werdenden Schuldenberg. Welche Alternativen gibt es zu diesem fatalen Kreislauf? Könnten nicht gerade christliche Institutionen sich dieser Systematik entziehen und einen eigenen Weg gehen? Wann und wo hatte ein Zinsverbot auch bei uns Geltung?
Diese und andere Fragen stehen beim kommenden Gesellschaftspolitischen Stammtisch zur Debatte.
Auf dem Podium:
Impulsreferat:
Prof. Dr. Wilhelm Guggenberger, Sozialethiker, Uni Innsbruck
Werner Böhler, Direktor der Dornbirner Sparkasse
Aly El-Ghoubashy, AHS Lehrer, Experte für „Islamic banking“
Gudula Frieling, Initiativkreis 9,5 gegen Wachstumszwang und für eine christliche Wirtschaft, TU Dortmund
Von Michael Willam veröffentlicht am 18.01.2012

