- Zeit
- Montag, 07.05.2012 20:00 bis 22:00
- Ort
- Kolpinghaus, Dornbirn
Der Gesellschaftspolitische Stammtisch thematisiert eine schwierige Situation in unseren Krankenhäusern: Entscheidungen am Lebensende fordern angesichts einer hoch entwickelten und technisierten Medizin eine solide ethische Basis.
Kennen Sie vielleicht aus persönlicher Erfahrung die Situation, im Krankenhaus eine Entscheidung über Leben und Tod treffen zu müssen? Hatten Sie auch das Gefühl, überfordert zu sein mit schwierigen und komplexen Fragen der Medizin und der medizinischen Ethik?
Für die Behandlungsteams in unseren Spitälern gehört es mit zu den zentralen Aufgaben, über Leben und Tod von Patienten zu entscheiden. Woran orientieren wir uns, wenn wir solch gravierende Entscheidungen treffen müssen? Welche Werte, welche Ethik hilft den Ärzten, den Pflegenden und Angehörigen, zu guten und vertretbaren Entscheidungen zu gelangen?
Zwischen den beiden Extremen einer "Lebensverlängerung um jeden Preis" und einer bei uns verbotenen Praxis der aktiven Euthanasie, wie sie z.B. in Holland praktiziert wird, liegt ein Graubereich, den es im Einzelfall genau auszuleuchten gilt. Was sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen für eine Entscheidung? Wie kann eine "gute Entscheidung" zustande kommen? Was braucht es dafür?
Technisierte Medizin erzeugt Fragen
Immer öfter ergeben sich aufgrund der stark gewachsenen Möglichkeiten der modernen Medizin ethische Fragen, die für Betroffene, Ärzte, PflegerInnen, SeelsorgerInnen und Angehörige eine erhebliche Herausforderung darstellen. Gerade am Ende des Lebens verschärft sich die Lage zusehends, da eine hochtechnisierte Medizin vielerorts auf Strukturen trifft, die den hohen ethischen Anforderungen, die sich aus den gesteigerten Handlungsmöglichkeiten ergeben, noch nicht gewachsen zu sein scheinen.
Wann darf z.B. eine Behandlung abgebrochen oder erst gar nicht zu Anwendung gebracht werden? Gilt es, das Leben um jeden Preis zu verlängern? Darf man PatientInnen verhungern oder verdursten lassen?
Was bewirkt eine Patientenverfügung?
Ethische Prinzipien in der Praxis
Die in der medizinischen Ethik oft verwendeten vier Prinzipien der Autonomie des Patienten, des Nicht-Schadens, des Wohl-Tuns und der Gerechtigkeit bilden einen Leitfaden für die Entscheidungen. Wie jedoch ist eine solche Entscheidungsfindung in der Praxis möglich? Welche Modelle gibt es hierfür?
Prof. Dr. Georg Marckmann, Medizinethiker aus München, wird anhand konkreter Beispiele aus der Praxis aufzeigen, wie eine prinzipienorientierte ethische Entscheidungsfindung funktioniert und angewendet werden kann. Als international anerkannter Experte auf dem Gebiet der Medizinethik stellt Marckmann die vier handlungsleitenden Prinzipien zunächst vor. Auf dem Hintergrund konkreter praktischer Fälle werden diese in der Folge auf ihre Relevanz und Anwendbarkeit im Alltag untersucht.
Impulsreferat:
Prof. Dr. Georg Marckmann, Medizinethiker, Vorstand des Instituts für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin, Ludwig-Maximilians-Universität München
Bei der anschließenden Podiumdiskussion werden diskutieren:
Chefarzt Primarius Dr. Guntram Winder, Krankenhaus Dornbirn
DGKS Anna Frick, Pflegedienstleiterin, Palliativstation LKH Hohenems
Pfr. Dr. Peter Rädler, Krankenhausseelsorger, LKH Feldkirch
Moderation: Roland Poiger
Von Michael Willam veröffentlicht am 02.04.2012

