Bilder an der Gemüsetheke
In der Gemüseabteilung
Kennen Sie die Situation, wenn Sie im Supermarkt noch schnell für das Wochenende einkaufen gehen und in der Gemüseabteilung nach frischen Tomaten, Paprika und Zucchinis suchen? Ist es nicht jedes Mal ein ästhetisches Erlebnis, das frische Gemüse sauber geputzt, verpackt und glänzend poliert in der Ablage zu durchstöbern? In vielen bunten Farben schillern uns die verschiedenen Gemüsesorten entgegen. Der schmackhaften Gemüsepfanne für den Abend steht nichts mehr im Weg!
Plastikmeer
Unvermittelt schießen mir genau in diesem Moment Bilder in den Kopf, die im Rahmen der letzten Veranstaltung der Werkstattgespräche von Dieter Behr in der Kulturbühne AmBach in Götzis an die Wand projiziert wurden: Hilfsarbeiter aus Afrika, Osteuropa und Südamerika, meist illegal eingereist und nicht registriert, hausen auf engstem Raum und ohne fließendes Wasser in verwahrlosten Hütten aus Plastikplanen. Sie leben und arbeiten mitten in einem Meer aus Plastik-Gewächshäusern auf einer Fläche von 35.000 Ha in Almeria, einer Region an der Südküste Spaniens. Soziale Unruhen und Gewalt, Lohnraub von Seiten der bankrotten Arbeitgeber, sanitäre Missstände, Prostitution, Gesundheitsmängel aufgrund des massiven Pestizideinsatzes, Temperaturen bis zu 50 Grad unter den Plastikplanen: Diese Situation und nichts anderes ist der Grund, warum ich das ganze Jahr über billige, polierte und bunte Paprika, Auberginen, Zuchini und Tomaten im Regal aller „Ländle“-Supermärkte kaufen kann.
Die Zeit drängt
Plötzlich scheinen die bunten, glänzenden Farben ihren Glanz zu verlieren. Ich wende mich ab vom Regal und suche nach der kleinen Ecke, wo üblicherweise die biologischen Produkte aus der Region angeboten werden. Die glänzen nicht so schön, denke ich mir. Und teurer sind sie auch noch... Entschlossen greife ich zu und fahre zur Kassa. Schließlich habe ich nicht ewig Zeit.
Dr. Michael Willam
EthikCenter
Von Michael Willam veröffentlicht am 27.05.2011

