Ein Gespräch mit Maria Grundberger im Rahmen des Gesellschaftspolitischen Stammtisches zum Thema "Abtreibung"
Mächtige Vorurteile
Sie heißt Maria Grundberger, ist von Beruf Hebamme und engagiert sich zusätzlich Woche für Woche für eine ganz spezielle Aufgabe: Sie spricht Frauen auf offener Straße vor der größten Abtreibungsklinik Münchens an und versucht sie zu überzeugen, ihr Kind zu behalten.
„Gehsteigberatung“ wird diese Art von Beratung genannt – und dies lässt in mir unweigerlich Bilder entstehen, die geprägt sind von mächtigen Vorurteilen: Ich stelle mir aufdringliche, religiös fanatisierte, beinahe militante Abtreibungsgegner vor, welche die Frauen unter massiven Druck setzen und rosenkranzbetend mit selbstgemalten Plakaten in den Händen das Klinikgelände belagern. Ich stelle mir Demonstrationszüge mit Bildern von zerstückelten Föten und Spruchbändern in roter Farbe vor, welche das schaurige Szenario einer Abtreibung so plastisch wie möglich zum Ausdruck bringen. Ich stelle mir Menschen vor, die verurteilen, die anprangern und beschimpfen... und ich stelle mich bei Frau Grundberger genau auf die Begegnung mit so einem Menschen ein...
"Maria und ihre Kinder"
Maria Grundberger ist ein international bekannter Star in der Pro-Life-Szene. Seit dem Erscheinen des Dokumentarfilmes „Maria und ihre Kinder“ von Regisseur Fritz Poppenberg weiß jeder, der sich in dieser einschlägigen Szene auskennt, wer sie ist. Sie habe bereits ca. 200 Frauen überzeugt, ihr Kind zu behalten. Quasi in letzter Sekunde – vor dem Eingang der Abtreibungsklinik. 200 Kinder verdanken Frau Grundberger ihr Leben. Von vielen sei sie die Taufpatin, sagt sie. Viele Mütter würden ihr Fotos schicken von sich und dem geborenen Baby. Gleichsam als Zeichen der Verbundenheit.
In gemütlicher Runde
Nach der Podiumsdiskussion zum Gesellschaftspolitischen Stammtisch, als die meisten Leute schon gegangen waren, saßen wir noch beisammen in gemütlicher Runde – um den Abend und die lange Diskussion nochmals Revue passieren zu lassen. Maria Grundberger, eine junge, selbstbewusste Frau Ende 20, nahm einen kleinen Schluck Rotwein und zerbrach vor mir eine Brezel auf dem Tisch. Am besten würde ihr das Salz auf den Brezeln schmecken, meinte sie.
Dann erzählte sie wieder von ihrer Arbeit.
Von religiösen Fanatikern
Es sei ihr ein Graus, wenn Menschen mit Bildern oder religiösen Symbolen vor Kliniken stünden. Frau Grundberger meinte, dies würde die Situation der Frauen noch verschlimmern. Der Druck, dem diese verzweifelten Frauen ausgesetzt seien, würde durch religiöse Motive noch größer.
Nun wollte ich wissen, wie sie denn das anstellte, mit den Frauen Kontakt aufzunehmen, ohne zusätzlichen Druck zu erzeugen. Frau Grundberger lächelte kurz und tippte mit dem Finger das Salz vom Tisch. Man dürfe sich die Frauen nicht zu Gegnern machen oder sich als Gegner präsentieren. Sie möchte jemand sein, der es gut meint mit den Frauen, nicht nur mit den Kindern. Schließlich seien die Folgen nach einer Abtreibung oftmals schrecklich: Albträume und schwere Schuldvorwürfe begleiten die Frauen oft jahrelang.
Was in Beratungen zu kurz kommt
Maria Grundberger streckt den Frauen die Hand entgegen und macht sie auf das Kind aufmerksam, welches in ihnen heranwächst. Vielen Frauen sei gar nicht bewusst, dass auch das Kind einen Anspruch auf Leben habe. Das hätte man ihnen in keiner Beratung gesagt. Das ungeborene Leben sei in erster Linie als ein Geschenk zu verstehen, so Frau Grundberger. Dies sei mit Bestimmtheit und gleichzeitig mit der größt möglichen Behutsamkeit gegenüber Frauen zu vertreten, die einen ungeheuren inneren Konflikt durchleben. Ein bis zwei Frauen pro Tag, so Frau Grundberger, würden auf ihr Angebot eingehen – und von einem Abbruch Abstand nehmen. Auch in dieser Phase kümmert sich Frau Grundberger um die Frauen. Sie bekommen Hilfestellung in der Beratungsstelle um die Ecke. Finanzielle Hilfe, aber auch Begleitung in dieser immer noch schwierigen Phase.
Ein besonders normaler Montag Abend
Was ihr wirklich immer wieder Mut mache, so die junge Frau, sei die Erfahrung, wie glücklich die Mütter mit ihren Kindern seien, wenn diese erst einmal geboren sind. Als Hebamme und Mutter weiß sie, wovon sie spricht. – ich glaube es ihr – und bin dankbar für die besondere Begegnung an einem ganz normalen Montag Abend.
Dr. Michael Willam, EthikCenter
Von Michael Willam veröffentlicht am 02.03.2010

