Ein Kommentar von Michael Willam
„Aus dem Hinterzimmer einer Einrichtung der Katholischen Kirche“, wie Mag. Bernhard Heinzlmaier den großen Saal des Dornbirner Kolpinghaus genannt hat, lieferte der gebürtige Wiener und nunmehr in Hamburg wohnende Jugendkulturforscher einige provokante Thesen, welche für Gesprächsstoff sorgten.
Heinzlmaier sprach im Zuge seines Impulsvortrages von vielen rasanten Entwicklungen, welche unsere heutige Gesellschaft charakterisieren: Entwertung des Wissens, Entwertung der Bildungsabschlüsse, der postmoderne Menschen als ständig unzufriedener und getriebener, Nützlichkeitsdenken, Berechnung und Vitamin B als Erfolgsfaktoren. Junge Menschen lernen sehr schnell, dass ein performativer Markterfolg vor der reellen Leistung eingestuft wird. Castingshows, Facebook und Co. zeigen: Auf die Show kommt es an, auf die richtige Inszenierung der eigenen Person – auf diese Weise sind junge Menschen heute erfolgreich...
Heinzlmaier kritisierte diese oberflächliche und dem Menschen und seinen wahren Fähigkeiten nicht gerecht werdende Entwicklung auf das Schärfste. Er forderte unverzweckte Entwicklungsräume für Jugendliche und stellte eine Gesellschaft pointiert an den Pranger, welche den jungen Menschen diese Möglichkeiten nicht einräumt und ihnen nur noch fordernd begegnet.
Gleichzeitig ist Bernhard Heinzlmaier Chef einer Firma, welche für Konzerne wie Nestle erfolgreich Jugendmarktforschung betreibt. Lehrlinge stellt er äußerst ungern ein. Er tut es quasi, um dem Ruf seines sozialen Gewissens gerecht zu werden.
Er sagt, dies sei die Widersprüchlichkeit in seinem Leben, in der er sich ständig bewege. Einerseits kritisiert er das System. Er prangert an und verurteilt bestimmte menschen- und lebensfeindliche Entwicklungen – andererseits verdient er als Unternehmer sein Geld als Teil dieses Systems. „Mein Ziel ist es“, so verrät er am Ende eines anregenden Gesprächs, „diese Widersprüchlichkeiten zu minimieren und mich ganz auf den Non-Profit-Bereich zu konzentrieren“.
Ein spannender Mensch ist dieser Bernhard Heinzlmaier, welcher als Experte für Jugendkulturen, als Soziologe, Philosoph und als erfolgsorientierter Unternehmer dem interessierten Stammtisch-Publikum einiges mitzuteilen hatte.
Von Michael Willam veröffentlicht am 04.05.2010

