Aus weiteren drei der so genannten "Forschungsgruppen" zum Pastoralgespräch "Die Wege der Pfarrgemeinden" kann berichtet werden. Derzeit sind acht Forschungsgruppen unterwegs, um bereits praktizierte Pfarrmodelle in anderen Diözesen zu erkunden.

Ein Stück Poitiers in Hard und Schoppernau

Poitiers liegt im äußersten Westen Frankreichs –  Hard liegt am Bodensee und Schoppernau im Hinteren Bregenzer Wald. "Die drei grundverschiedenen Orte hatten am 2. und 11. März etwas gemeinsam", berichtet Hans Rapp, Leiter der Forschungsgruppe "Basis-Equipes". Für eine halbe Stunde hat der Pfarrgemeinderat in Hard und Schoppernau getan, als ob die Pfarren nach dem Modell Poitiers funktionieren würden. Der Grund dafür war die Forschungsgruppe zu den Basis-Equipen, wie sie in Poitiers verwirklicht sind.

In dieser Diözese werden bereits 300 Pfarren durch Equipen von 5 ehrenamtlich tätigen Menschen geleitet. Priester sind in diesem Modell da, die Regionen zu leiten, diese Equipen zu unterstützen und an bestimmten Orten in einer Region Eucharistie zu feiern. Unsere Forschungsgruppe wollte herausfinden, wie die  HarderInnen und SchoppernauerInnen die Chancen und Grenzen dieses Modells bewerten würden.

BPGR Schoppernau - Basisequipeseide Abende waren sehr spannend. Die Diözese solle sich darum kümmern, dass es genügend Priester gibt und sich in Rom dafür einsetzen, dass die Zulassungsbedingungen entsprechend gestaltet werden, so der Tenor in Hard. Für Ehrenamtliche sei das Managen einer Pfarre wie Hard viel zu aufwändig. Das Um und Auf sei es, dass jemand vor Ort ist, so das Fazit in Schoppernau. "Eine Pfarre ehrenamtlich mitzuleiten, stellen sich die SchoppernauerInnen als sehr aufwändig vor und sie sind sich auch nicht sicher, ob sich Menschen für eine solche Aufgabe finden lassen", berichet Hans Rapp. "Auch wenn das schon eine interessante Sache wäre ..."

"Pfarre ist nicht nur Sache der Hauptamtlichen"

Aus der Forschungsgruppe "Ehrenamtliche Seelsorgeteams in den Pfarrgemeinden" berichtet Herbert Nussbaumer: "Es geht hier darum, das in Linz eingeführte Modell der ehrenamtlichen Seelsorgeteams für die Gemeindeleitung dahingehend zu überprüfen, ob es als Modell - oder zumindest Teile davon - auch für Pfarrgemeinden in unserem Land geeignet wären." Die Mitglieder der Forschungsgruppe kommen aus kleineren Vorarlberger Gemeinden, die auf das Engagement von Ehrenamtlichen angewiesen sind.

Laptop und Carl LampertIn einer Internet-Video-Konferenz hat das Forschungsteam Mitte März mit Linzer Vertretern des Modells gesprochen. Die Fragen der neugierigen Vorarlberger/innen waren vielfältig: Wie weit gelingt es immer wieder Ehrenamtliche zu finden, die sich auf eine entsprechende Ausbildung und ein darauffolgendes fünfjähriges Engagement in so einem Ehrenamts-Team einlassen? Ist dieses Modell für eine Entwicklung der Gemeinde in Richtung Eigenständigkeit dienlich oder kann sich die Pfarrbevölkerung eher wieder zurücklehnen und die Arbeit dem Team überlassen? Wieweit ist dieses Engagement auch eine Motivation für andere, sich selbst ebenso zu engagieren und die Talente einzubringen? Wenn ein Pfarrer mehrere solcher Gemeinden zu leiten hat, wird er da nicht zerrissen? Wie weit ist er durch diese Teams auch entlastet? Ist dieses Modell für kleine Gemeinden ebenso geeignet wie für große?

Für Herbert Nussbaumer war es ein reges und sehr interessantes Gespräch: " Es hat uns ganz gute Einblicke in diese Teams gewährt. Die Linzer Vertreter/innen aus drei verschiedenen Seelsorgeteams waren alle voll davon überzeugt, dass dieses Modell zukunftsträchtig und in der heutigen Zeit geeignet ist, Pfarrgemeinden lebendig zu gestalten. Und es wurde deutlich, dass Pfarrgemeinde nicht nur Sache der Priester und hauptamtlichen Theolog/innen ist, sondern aller Christen."

(Bilder von der Internet-Konferenz zwischen Feldkirch und Linz sehen Sie in der Bildergalerie rechts oben.)

Forschungsgruppe auf Besuch in Innsbruck

Seelsorgsraum Allerheiligen-Kranebitten Mittagessen„Wie entwickelt sich gemeindliches Leben in größeren pastoralen Räumen?“ Das war eine der Fragen, mit der sich die Forschungsgruppe "Hauptamtlichen-Pastoralteams für den Seelsorgs-Raum" beschäftigte.Eine Gruppe um Forschungsgruppenleiter Gerold Hinteregger besuchte Seelsorgsräume in der Diözese Innsbruck und unterhielt sich dort mit haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen über deren persönliche Erfahrungen mit dem Modell. Im Zentrum der Fragen stand die Entwicklung des Gemeindelebens in den größeren Seelsorgeräumen.

Der Seelsorgsraum Allerheiligen-Kranebitten liegt im Westen von Innsbruck und ist geprägt durch das anhaltende Wachstum des relativ jungen Stadtteils. Gut 14.000 Einwohner leben in den beiden Pfarren des Seelsorgsraumes. Ein Pfarrer, zwei Diakone (einer davon als Gemeindeleiter der kleineren Pfarre) sowie zwei Pastoralassistenten (Teilzeit) betreuen die Gemeinden.

(Bild: Pfarrer Franz Troyer, Leiter des Seelsorgsraumes Allerheiligen-Kranebitten (Bildmitte) mit Krankenhausseelsorger Edgar Ferchl-Blum (rechts) und dem Lecher Pastoralassistenten Hans Peter Tiefenthaler sowie Mitarbeiter/innen des Seelsorgsraums beim Mittagessen in Allerheiligen)

Von Dietmar Steinmair veröffentlicht am 30.03.2010

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