Von Dietmar Steinmair

Kirchenkrise hin, Austrittswelle her. Beides sind Tatsachen. Und nicht zu verleugnen. Dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, kamen knapp 200 Personen zum Vierten Diözesanen Forum des Pastoralgesprächs "Die Wege der Pfarrgemeinden" nach Rankweil. Der Titel der Veranstaltung:: "Prüfet alles und behaltet das Gute!" Regelmäßige User von kath-kirche-vorarlberg.at wissen, was gemeint ist: Auf diesem - vorläufig letzten - Forum werden die Ergebnisse der so genannten Forschungsgruppen präsentiert. Diese Gruppen haben sich in den letzten Monaten in anderen Diözesen über dort bereits praktizierte Pfarrmodelle kundig gemacht.

Bischof Dr. Elmar Fischer dankte in seiner Begrüßung allen Männern und Frauen, die in diesen Forschungsgruppen Interesse und Zeit investiert hatten. Er nahm auf die aktuelle Situation der Kirche Bezug, auch auf die Vorwürfe gegen seine Person. Der Bericht des mit den Vorwürfen betrauten Prof. Hinterhuber (Medizinische Universität Innsbruck) stehe noch aus, so Bischof Elmar Fischer.

Dogmatische Orientierungen und Ergebnisse spannender Forschungen

Dr. Roman Siebenrock, Professor für Dogmatik an der Universität Innsbruck, ging in seinem Referat "Gratia gratis data" dem Dienst am Glauben und dem Leben der anderen nach. Er beschrieb die Kirche als "Sakrament des universalen Heils" (Konzilskonstitution "Lumen Gentium", Abs. 1), die sich aus der bleibenden Gegenwart der Sendung Christi in und durch den Geist versteht. Als Sakrament ist die Kirche sowohl der Entmächtigung, als auch der Befähigung unterworfen.

Als Ansatz zu einer Theologie des Amtes präsentierte Roman Siebenrock die "Repräsentatio Christi in Differenz", also eine Stellvertretung Christi durch den Priester, die aber mehr von der Differenz her zu sehen sei: Das einzige Haupt und der einzige Akteur im Heilshandeln der Kirche bleibe der dreifaltige Gott. Auch wenn ein Priester "im Namen Christi, des Hauptes" handle, die Vollmacht zur Wandlung in der Eucharistie habe, so spreche er in der Messe nicht mehr als ein Bittgebet. Die in der Priesterweihe vermittelte Gnade ist für Roman Siebenrock immer eine Gnade des Amtes, die die Sendung der anderen ermöglicht. Nach innen als Auferbauung der Kirche als Leib Christi, nach außen als Erklärerin für die Zeichen der Zeit.

Der Präsentation der Forschungsergebnisse der letzten Monate voran stellte Pastoralamtsleiter Dr. Walter Schmolly einen kurzen zahlenmäßigen Überblick über die Situation der Pfarren. So leben Vorarlbergs 257.878 Katholik/innen (Stand 31.12.2009) in 125 Pfarreien und 13 Exposituren. Priester in der Pfarrseelsorge gibt es 104, dazu 24 Pastoralassistent/innen und 18 Diakone. 1.315 Pfarrgemeinderät/innen engagieren sich ehrenamtlich. Die Hälfte der Pfarren hat weniger als 1.500 Katholik/innen, nur 12 Gemeinden mehr als 5.000.

Nach dem mehrfach ausgesprochenen Dank durch den Pastoralamtsleiter für die große Arbeitsleistung präsentierten die Forschungsgruppenleiter/innen ihre Ergebnisse. Bilder der Präsentatoren finden sich in der Galerie rechts oben. Einen Überblick über die Ergebnisse sowie die ausführlichen Schlussberichte aus den Forschungsgruppen mitsamt Empfehlungen für die mögliche Umsetzung in der Diözese Feldkirch finden Sie hier.

Der Generalvikar der Diözese Linz, Severin Lederhilger, der gleichzeitig auch Professor für Kirchenrecht ist, gab den Teilnehmer/innen noch einige kirchenrechtliche Rahmen mit auf den Weg. Theologisch korrekt sei - um die zentrale Frage des Verhältnisses zwischen Leitung und sakramentalem Dienst anzusprechen -, dass der Leitungsdienst in einer Pfarrgemeinde den Eucharistievorsitz begründet, und nicht umgekehrt. Praktisch bleibe das aber oft schwierig.

Viele weitere Eindrücke vom Vierten Diözesanen Forum in Rankweil bietet die Bildergalerie rechts oben.

Von Dietmar Steinmair veröffentlicht am 30.04.2010

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