Das zentrale Handlungs- und Entwicklungsfeld für die Dynamik von Sammlung und Sendung.

Mit Jesus Christus kommt im­mer – und immer wieder – die Freude. (EG 1)

Das kirchliche Handeln beginnt in der Mitte des Modells: bei der berührenden Erfahrung einer persönlichen Gottesbeziehung. Am Beginn steht die Liebesgeschichte Gottes mit uns, auf die wir antworten.

Die Menschen legen heute zunehmend Wert darauf, dass sie dieses Geheimnis persönlich erfahren. Und dieser Wunsch wird zunehmen. Eine Spiritualität, die im eigenen Alltag nicht erlebbar, nicht spürbar ist, interessiert sie nicht. Sie haben den Anspruch, dass Religion für ihr Leben relevant ist und das ist auch gut so. (Vgl. dazu Pastorale Orientierungen für die Wege der Pfarrgemeinden Kap. A.1.)

Es ist daher von zentraler Bedeutung für die Relevanz der Kirche, dass sie den Menschen einen ansprechenden Raum für diese Grunderfahrung bietet: „Ich bin geliebt! Ich bin von Gott gewollt, eine gute Idee Gottes, mit Freude geschaffen, von seiner Geistkraft treu begleitet, genährt, belebt und inspiriert …“ Und: „Ich bin durch Jesus Christus erlöst.“

Eine Quelle der Freude

Freude ist das untrügliche Zeichen für die Gegenwart Gottes, sagt der Jesuit Teilhard de Chardin. Die Begegnung mit Gott können wir mit einer frisch-sprudelnden Quelle der Freude vergleichen. Damit aus der Begegnung eine persönliche Beziehung wird, die mit der Zeit reifer wird, ist es nötig, den eignen Weg zu dieser Quelle zu finden, ihn immer wieder zu gehen und aus der Quelle zu schöpfen, damit sie nicht zuwächst und unter dem Dickicht der alltäglichen Sorgen langsam verschwindet. Unsere Kirche hat über die Jahrhunderte einen ganzen Schatz an persönlichen Wegen zur Quelle gesammelt: Gebet, Meditation, Bibel, Gottesdienste und Sakramente, Kapellen, Kirchen, Natur, Exerzitien, … Egal, was für jede und jeden die persönlich nährende Form der Spiritualität ist: sie braucht Übung und Vertiefung.

Aus dieser Mitte heraus, aus der persönlichen Begegnung mit Gott heraus, aus dieser Quelle der Freude heraus entsteht eine innere und auch eine äußere Bewegung: aus dem Zentrum heraus in die Sammlung und die Sendung.

Zwei Wege des Christ-Werdens: Sozialisierte und Konvertierte

Die Zahl der ChristInnen, die von Kindesbeinen an in der Familie und in den Gemeinden religiös sozialisiert wurden, nimmt seit Jahrzehnten immer mehr ab.Schon seit den 80er-Jahren des vergangen Jahrhunderts sprechen wir von einer "Traditionskrise".

Deshalb wird es zunehmend wichtig, dass die Kirche damit beginnt, sich aufmerksam den Menschen zuzuwenden, die diese selbstverständliche Hineinwachsen in den Glauben nicht erfahren haben. Es ist zu hoffen, dass in den nächten 20 Jahren immer mehr Jugendliche oder Erwachsene in der Kirche Gottes persönliche Liebe erfahren, so zu ihrem persönlichen Christglauben finden. Das kann das Leben dieser KonvertitInnen verändern und die Freude in ihnen wecken, in der Dynamik von Sammlung und Sendung am Wachsen von Gottes Reich mitzuwirken. Das Miteinander dieser beiden Gruppen birgt erfahrungsgemäß Spannungen in sich. Es hilft, wenn beide Gruppe um die unterschiedliche Dynamik ihres Christ-Werdens wissen und dankbar für die Buntheit der Zugangswege zur göttlichen Liebe sind. Denn selbstverständlich ist in Zukunft weder die religiöse Sozialisation noch die Bekehrung.

Entwicklungsfragen

  • Wo haben wir unsere Quelle der Freude gefunden? Wo hat uns die Liebe Gottes berührt? Wie vertiefen wir diese Erfahrung?
  • Trauen wir Gott zu, dass er auch heute noch Menschen im Herzen berührt und in die Nachfolge ruft?
  • Spüren wir eine Berufung, diese Liebe für Menschen, die sie noch nicht kennen, zu erschließen? Haben wir die dafür nötigen Charismen? Zu wem sind unsere Beziehungen schon tragfähig genug, um über unser Herzensthema zu sprechen?
  • Spüren wir eine Berufung, dass Menschen, die Gott schon kennen, ihre Erfahrung von Gottes Liebe bei uns vertiefen können?
  • ...

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