Das zweite Handlungsfeld in der Dynamik der Sammlung ist die Gastfreundschaft für jene, die punktuell zu uns kommen und um Segen bitten, aber nicht mit uns mitleben wollen.

Menschen kommen in einer für sie wichtigen Situation zu uns, mit dem Wunsch nach Segen und Schutz: ein Kind ist geboren, eine Verwandte ist gestorben, sie wünschen sich Segen für ihre Partnerschaft oder die Erstkommunion oder Firmung für ihre Kinder. Oft ist der Wunsch mit wenig Wissen um die theologische Bedeutung verbunden, er kommt trotzdem von Herzen. Aber sie wollen sich nicht wöchentlich am Gemeindeleben beteiligen. (Vgl. Pastorale Orientierungen für die Wege der Pfarrgemeinden Kap.A.3.)

Pilgern ist Christsein unterwegs

In den Pastoralen Orientierungen für die Wege der Pfarrgemeinden wird in Kap. B4. für diese Gruppe das Bild des Pilgerns verwendet: Menschen, die ihr ChristIn-sein nicht an einem Ort sondern unterwegs leben. Doch Pilgern braucht, damit es funktioniert, Herbergen um sich auszurasten oder Wallfahrtsorte um für eine bestimmte Zeit ans Ziel zu kommen.

Zentral ist die Haltung, in der wir diesen PilgerInnen begegnen. Papst Franziskus empfiehlt in Evangelii Gaudium: "Es ist nötig, zu der Einsicht zu verhelfen, dass der einzige Weg darin besteht zu lernen, den Mit­menschen in der rechten Haltung zu begegnen, indem man sie schätzt und als Weggefährten ak­zeptiert ohne innere Widerstände. Noch besser: Es geht darum zu lernen, Jesus im Gesicht der anderen, in ihrer Stimme, in ihren Bitten zu er­kennen." (EG 91) Und dann gehört zur Gastfreundschaft wesentlich die Erlaubnis, ohne schlechtes Gewissen weiter gehen zu dürfen.

Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus. (Regel des Hl. Benedikt, Kap. 53)

Für immer mehr Pfarren, wie z. B. die Nativity Church in Baltimore, zentral, die Grundhaltung guter Gastfreundschaft zu pflegen. Konsequent haben sie die Perspektive ihrer Gäste eingenommen und ihre Willkommenskultur weiter entwickelt. Sie haben ihre Auffindbarkeit und Erreichbarkeit verbessert, Gäste werden persönlich und unaufdringlich begrüßt und erhalten – wenn gewünscht – Orientierung zu den aktuellen Angeboten. Es gibt Menschen, die sich Zeit für das Gespräch mit Neuankommenden nehmen. Es ist ihnen dabei wichtig, diesen Gästen mit offenem und absichtslosem Interesse zu begegnen, denn Gott kommt ihnen in jedem Menschen entgegen.

Immer wieder kommt es zu Begegnungen, bei denen beide Seiten als Beschenkte hinausgehen. Die Kirche entwickelt so „the art of hosting“, die Kunst GastgeberInnen zu sein für gute, wesentliche Gespräche über Gott und die Welt, in denen sich das „Wissen der Vielen“ zeigen kann und im Dialog beide Seiten neues entdecken.

Entwicklungsfragen

  • Wo haben wir schon einmal in einem Gast die Gegenwart Gottes erfahren?
  • Wie schaut unsere Pfarre/Gemeinde/Gruppe für jemanden aus, die/der neu bei uns ankommt? Wo sind wir offen und einladend? Wo sind wir abweisend und ausgrenzend?
  • Wo können wir unsere Gastfreundschaft, unsere Erreichbarkeit und Auffindbarkeit verbessern?
  • Wo liegen die Grenzen unserer Gastfreundschaft? Welche Anliegen können wir nicht erfüllen?
  • Wie können wir uns im Loslassen und Freigeben unserer Gäste, die weiter ziehen wollen, bestärken?
  • Was bedeutet das für unsere Vorbereitungen auf die  Initiationssakramente (Taufe, Erstkommunion, Firmung)?
  • ...

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