Das erste kirchliche Handlungsfeld in der Dynamik der Sammlung ist, für eine lebendige Gemeinschaft zu sorgen.

Ein Christ ist kein Christ. (Tertullian)

Religion ist für immer mehr Menschen zu einer Privatsache geworden, über die sie auch mit engsten Freunden kaum sprechen wollen. Doch von Anfang an war Kirche auf Gemeinschaft ausgerichtet. "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen." verheißt Jesus in Mt 18.20.  Deshalb kann die Kirche dem Megatrend der Individualisierung nur bedingt folgen und wird auch in Zukunft die Gemeinschaft pflegen, in der Menschen ihren Glauben und ihr Leben teilen und miteinander feiern. Das geschieht in vielen Formen: bei Wortgottesdiensten und in Eucharistiefeiern, bei Ritualen und Sakramenten an Lebenswenden, bei Festen, in Bibelrunden und in Haus- und Gebetskreisen, …. Hier treffen sich diejenigen, die die Pfarre oder Gemeinde mittragen und regelmäßig kommen. Also der „innere Kern“.

Lebendige Gemeinschaft von unterschiedlichen Menschen

Die "Orientierungen für die Wege der Pfarrgemeinden" sprechen in Kap. B3 von einem "gemeindebildenden Lebensstrom", in dem Gott Gemeinde baut. Die entscheidende Qualität ist das Kriterium die Lebendigkeit. Wo das eigene Leben mit seinen Fragen und Themen vorkommt, wo man so sein darf wie man ist, da wird das Miteinander lebendig. Es geht um die Erfahrung von Wohlwollen  und Interesse, um das Gefühl willkommen zu sein und mitgestalten zu dürfen. Dabei ist eine stimmige Balance von Nähe und Distanz zentral.

Die Herausforderung ist, einen guten Umgang zu finden mit der Diversität in einer Gruppe, mit den unterschiedlichen Gefühlen von Zugehörigkeit und Fremdheit, mit den verschiedenen Bedürfnissen und Interessen.

Hier könnte das Modell einer „mixed economy“, das in der anglikanischen Kirche in England gepflegt wird, als Vorbild wirken: In einer vielfältigen Gesellschaft braucht es auch vielfältige Angebote, die unterschiedliche Gruppen ansprechen. Überraschenderweise hat dieses „Ja zur Vielfalt“ die Einheit der Kirche nicht ausgehöhlt sondern zu neuen Netzwerken und mehr Freude an Gottes Kreativität geführt.

Freiwillige Verantwortung der Getauften

Die Qualität dieser vielfältigen Angebote wird zukünftig vor allem durch ehrenamtliche, hoch engagierte Getaufte sichergestellt werden. Die "Orientierungen für die Wege der Pfarrgemeinden" empfehlen in Kap. B3.2, das Vertrauen in die Charismen zu wagen. Dies hat zur Folge, dass sich Verantwortliche  nicht mehr nur an einem Pflichtprogramm orientieren, das jede Pfarre oder jede Gruppe erfüllen muss.

Wo sie vermehrt ihren Begabungen, dem was ihnen Freude macht und vor allem den Bedürfnissen der Menschen, für die sie und mit denen sie sich engagieren, folgen, schützen sie sich vor der Erschöpfung, die die Kirche vergangener Jahrzehnte so geprägt hat. Sie folgen ihrer Berufung und treffen gemeinsame geistliche Entscheidungen, was sie anbieten wollen und was nicht. Das machen sie dann richtig gut. Der Zuspruch derer, die kommen, und ihre eigene Freude geben ihnen recht.

Leitung von Gemeinschaft

Die Anforderungen an die Leitung dieser lebendigen Gemeinschaften, sind in der "Struktur- und Personalplanung 2025" beschrieben (z. B. in Kap. II3b). In C1.2. der "Orientierungen für die Wege der Pfarrgemeinden" wird em. Bischof Oscar Hirner zitiert: Der Pfarrer hilft den Leuten, dass "sie ihre Berufung entdecken und leben können." Er spricht von der "Rolle des 'Befähigers'". Es geht hier um "Geistliches Leiten", das auf Hilfe zur Selbsthilfe und auf zunehmende Selbstwirksamkeit zielt. So eine Leitung achtet darauf, in ihren Prozessen dem unplanbaren Wirken der Geistkraft Gottes genug Raum zu lassen.

Entwicklungsfragen

  • Wo spüren wir in unserer Gemeinde/Pfarre/Gruppe die größte Lebendigkeit? Was macht sie aus? Wo spüren wir wenig Lebendigkeit? Was fehlt hier?
  • Wo freuen wir uns über Diversität in unserer Gruppe? Wo drängen wir auf Einheitlichkeit?
  • Wo lassen wir einen Punkt aus unserem jährlichen Programm los, bei dem die Pflicht die Freude überwiegt?
  • Wenn wir schauen, was wir gut können und gerne machen würden: Welche neue Idee kommt uns dann in den Sinn? Was ist der erste Schritt, den wir machen wollen, um diese Idee Wirklichkeit werden zu lassen?
  • ...

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