Im Rahmen des Pastoralgesprächs "Die Wege der Pfarrgemeinden" sind derzeit acht so genannte Forschungsgruppen unterwegs, um bereits praktizierte Pfarrmodelle in anderen Diözesen zu erkunden. Bereits beim Forum III im November in Dornbirn-Rohrbach vorgestellt, werden sie in den nächsten Wochen hier blitzlichtartig beleuchtet. Den Beginn machen die Forschungsgruppen "Pfarrfusion" und "Gemeindeleitung durch Laien und Diakone."

Schreckgespenst Pfarrfusion?

"In der Forschungsgruppe zum Thema ,Pfarrfusion’ haben in den letzten Monaten zwei Priester, ein Diakon, eine Pastoralassistentin und ich mit Menschen in den deutschen Bistümern Münster, Trier, Essen und Köln Kontakt aufgenommen," so Thomas Berger-Holzknecht, Leiter der Forschungsgruppe. In den Gesprächen sei deutlich geworden, dass es für die pfarrlich Engagierten ein schmerzvoller Prozess sein könne, wenn die eigene Pfarre aufgelöst werde und damit ein Stück liebgewonnene Identität verloren ginge.

"Andererseits war eine überraschende Aufbruchstimmung zu spüren, wo die Notwendigkeit als solche anerkannt wurde. 'Wir haben durch die Pfarrfusion die Gelegenheit, am Aufbau einer neuen Gemeinde mitzuwirken!'", zitiert Thomas Berger-Holzknecht einen Pfarrer aus Münster. Aufgelöst werden bei einer Fusion nicht Gemeinden, sondern Pfarren. Die Gemeinden vor Ort können weiter bestehen. Die vielen wenig engagierten Pfarrmitglieder spüren die Veränderung kaum. Entscheidend für die pastorale Qualität in einer fusionierten Pfarre ist, wie das Leben in den Gemeinden vor Ort unterstützt und gefördert wird.

"Immer deutlicher treten in unseren Gesprächen zwei große Vorteile in den Vordergrund, die eine Pfarrfusion im Vergleich mit einer Pfarr-Region auszeichnen", so Thomas Berger-Holzknecht, Referent für Personal und Entwicklung im Pastoralamt. "Erstens gibt eine große Pfarre einen großen Spielraum für unterschiedlichste Formen der Gemeindeleitung durch LaientheologInnen oder Ehrenamtliche. Der kirchenrechtliche Freiraum wird größer, weil es sich nicht mehr um die Leitung einer Pfarre handelt. Genauso müssen Priester in einem Pastoralteam nicht mehr automatisch Pfarrer sein. Und zweitens fällt die mühsame Doppelbelastung in einer Pfarr-Region für alle Verantwortlichen weg, weil nicht mehr dieselben Menschen für das pfarrliche Leben und eine zusätzliche regionale Identität verantwortlich sind. Insgesamt steckt zu unserer Überraschung auch im 'Schreckgespenst' Pfarrfusion einiges an Potenzial für unsere Diözese."

Gemeindeleitung durch Laien bzw. Diakone nach can. 517 § 2

Ingo BäckerAus der Forschungsgruppe 3 berichtet Maria Ulrich-Neubauer, Pastoralassistentin in Feldkirch-Tisis: "Im Rahmen unserer Forschungsarbeit luden wir Anfang März Gemeindeleiter/innen aus Österreich und der Schweiz zu einem Gespräch ein. Manfred Sutter hat seit 2003 als Diakon in der Pfarre Thüringen die Funktion des Pfarrassistenten inne. Ingo Bäcker (im Bild) ist Laie und seit 1996 Gemeindeleiter in der Pfarre St. Urban in Winterthur (Kanton Zürich, Bistum Chur)." Die eingeladenen Gemeindeleiterinnen, die am Gespräch nicht teilnehmen konnten, wurden telefonisch befragt."

Ziel des Gesprächs sei es gewesen, das gewonnene Wissen aus der Lektüre der Unterlagen über das Modell durch weitere konkrete Erfahrungsberichte zu ergänzen, die auch kritisch hinterfragt werden konnten. Spannend fand Maria Ulrich-Neubauer die Gegenüberstellung der Arbeit in der kleineren Landpfarre Thüringen zur Arbeit in der 6000-Katholik/inn/en zählenden schweizer Stadtpfarre, die personalmäßig äußerst gut bestückt ist.

Beide Gemeindeleiter berichteten, dass diese verantwortungsvolle Aufgabe eine große Berufszufriedenheit mit sich bringe, vor allem die Begleitung der Menschen von der Geburt bis zum Tod, in Freud und Leid. Wichtig sei in diesem Modell vor allem ein gutes Miteinander mit dem zuständigen Priester, dem Pfarrmoderator. Auf die Frage, wie groß der Widerstand gegen dieses Modell sei, wurde einhellig gesagt, dass er nicht nennenswert ist und dass beide Gemeindeleiter eine große Akzeptanz in der Pfarre hätten.

Link-Tipps
_ Pfarre St.Urban (Winterthur)
_ Pfarre Thüringen

Von Dietmar Steinmair veröffentlicht am 18.03.2010

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