Rom - Dienstag, 13. Oktober 2015

Diesen Text schreibe ich heute auf der Piazza Campo de' Fiori, im Zentrum von Rom.  Es ist bereits 21.00 Uhr. Nach einem Tag voller theologischer Gespräche habe ich die spärliche Freizeit dieses Tages, diesen Abend genützt, um etwas durch die Stadt zu gehen und hier eine Kleinigkeit zu essen.

Es ist ein Privileg, in der Synode in einer Gruppe großer Theologen zu diskutieren. Ich konnte heute in der deutschen Sprachgruppe wieder viel Wertvolles lernen. Vor allem ist mir erneut der Gedanke  ganz präsent geworden, dass die beiden großen Begriffe Wahrheit und Barmherzigkeit nicht zu trennen sind. Die Wahrheit in der Heiligen Schrift der Offenbarung ist Barmherzigkeit. Barmherzigkeit ist eben auch Licht für die Wahrheit.

Nun sitze ich hier und beobachte die Menschen. Es macht mich nachdenklich - heute nach einem Tag voller theologischer Auseinandersetzungen. Ich sehe viele junge Menschen und auch einige Paare mit kleinen Kindern. Ich frage mich: Werden wir sie erreichen mit unseren Überlegungen? Können wir sie auf ihrem Weg ermutigen? Haben wir Ideen für die Fragen, die sie beschäftigen?

Irgendwie empfinde ich es schon als zwei Welten. Heute die theologischen Diskussionen in der Sprachgruppe, jetzt diese vielen Menschen mit ihren Wegen, mit ihrer Sehnsucht, mit ihren Familien, mit denen sie leben und aus denen sie kommen. Was ist ihre Sprache? Wie lauten die Gedanken, die die Herzen dieser Menschen wärmen? Was ist ihnen Hilfe für den Alltag?

So, jetzt kommt gerade die Pasta. Diese Stärkung tut gut nach einem langen Tag.

Bischof Benno Elbs