Zur Vorbereitung des kommenden Osterfestes

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Fastenhirtenbrief von Bischof Elmar Fischer zur Fastenzeit 2010.

Liebe Gläubige!

Wir sind wiederum eingeladen, das Osterfest der Kirche durch unseren persönlichen Beitrag vorzubereiten. Unser Bemühen soll in der Gemeinschaft der Pfarre dieses Fest zum Leuchten bringen.

Es waren im vergangenen Jahr etwa 1800 Gläubige, die an der Marienweihe nach den Vorgaben des hl. Ludwig von Grignon teilgenommen haben. Sie haben damit ein erfreuliches Glaubenszeichen gesetzt wie auch viele andere Gläubige in unserem Land, die sich um ein geistgeführtes Leben in der Nachfolge Jesu Christi bemühen und in den Pfarrgemeinden wie auch anderorts engagieren.

Bedauerlicherweise haben im vergangenen Jahr 2.515 Personen die katholische Kirche durch Abmeldung bei der Bezirkshauptmannschaft verlassen. Der Auslöser für den Austritt ist wahrscheinlich oft der finanzielle Beitrag, der für den Personal- und Sachaufwand der Kirche eingehoben wird. In Briefen von Ausgetretenen, die ich erhalte, werden weitere Gründe angeführt. Sie sind sehr unterschiedlich und benennen teils berechtigte Kritik an kirchlichen Vorgängen, teils wiederholen sie auch nur in den Medien verbreitete Vorurteile.

Es ist nicht zu leugnen: Die Kirche und ihre offiziellen Vertreter begehen Fehler - aus unterschiedlichen Gründen. Insofern bedürfen auch die Kirche und ihre Vertreter des barmherzigen Blicks. Auch der Kirche gegenüber gilt Jesu Wort: "Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein!" (Joh 7,53-8,11). Jesus selbst bezeichnet seine Gründung als Acker, auf dem das Unkraut wächst (Mt 13, 24 - 30) - bis zum letzten Tag. Es kann heilsam sein, sich im Gedankenexperiment einmal die Kirche mit allen ihren Institutionen und Initiativen aus der Gesellschaft radikal wegzudenken. Welche Einrichtung könnte die Kirche nicht nur ersetzen, sondern in der Qualität überbieten? In jeder Pfarre und im gesamten Land ist Kirche um den Glauben bemüht, der aus sich menschliche Kultur hervorbringt. Sonntags- und Festfeier, der Einsatz für die Vorbereitung der Sakramente, für den arbeitsfreien Sonntag, für Zusammenhalt zwischen den Menschen in vielfältiger Form sollen eine menschliche Basiskultur schaffen und die positiven, aufbauenden Befähigungen fördern.

Was die Caritas, das Bildungswerk und die Bildungshäuser leisten, was das Ehe- und Familienzentrum, die verschiedenen Vereinigungen zur Gestaltung des gemeinschaftlichen Lebens beitragen, es dient der Förderung des Menschenbildes, wie es Christus vorgelebt und uns als Aufgabe übertragen hat: fähig werden zur Gottes-, zur Nächsten- und zur Selbstliebe, echtes Menschsein! Es geht darin auch um die Entscheidung für oder gegen unsere Berufung zur ewigen Gemeinschaft mit Gott, nicht nur um formale Kirchenmitgliedschaft.

Aufmerksame Beobachter sagen, das Glaubenswissen und die Glaubensüberzeugung seien weithin auf niedrigem Stand. Tatsache ist, dass Menschen ihren Glauben heute oftmals ohne die regelmäßige Mitfeier der Eucharistie und nicht mehr in sakramentaler Umkehr vollziehen. Damit verliert der Glaube an Verwurzelung und Kraft. 
Da zeigt sich die aktuelle Bedeutung der Vorbereitung auf Ostern. Es soll uns die Kostbarkeit des Glaubens zur Entfaltung unserer Persönlichkeit neu deutlich werden! Wir dürfen die Einladung Jesu zum Leben und dies in Fülle (Joh 10,10) nicht vorbeiziehen lassen. Wir sollen sie umsetzen in die Tat! "Liebt einander wie ich euch geliebt habe" ist sein Auftrag (Joh 15,12).

Die große Sehnsucht für uns Menschen ist in der Liebe zu leben, Liebe zu erfahren. Sie ist ein Höhenweg (1 Kor 13), hat durch Jesus eine eigene Prägung, anders als die Medien uns dies vielfältig präsentieren. Sie kostet jedoch Anstrengung. Er hält uns für fähig zu dieser Großherzigkeit, die er gelebt hat. In den Sakramenten und in der Feier der Eucharistie gibt er uns seine Kraft zu dieser Art von Leben. Zur inneren Freiheit und so zur Liebe uns zu befreien ist sein Anruf. Fastenzeit will nicht einsperren in Gebote. Diese Zeit soll der Weg in die größere Freiheit werden, ein Zuwachs an Liebe und Liebesfähigkeit.

Das diözesane Motto für die heurige Fastenzeit lautet "Halt amol!". Es ladet ein zur heilsamen Unterbrechung, die uns mit uns selber, mit unseren Nächsten, mit der Schöpfung und mit Gott in Beziehung bringt. Mögen Ihnen die Angebote der Pfarrgemeinden und die diözesanen Initiativen Fenster der österlichen Freiheit eröffnen.

Unter dem Titel "Leben blüht auf" werden im März auch wiederum rund 1.500 ehrenamtliche HaussammlerInnen im Auftrag der Pfarre und der Caritas unterwegs sein. Sie klopfen an, um auf die Notsituation von Mitmenschen bei uns im Land aufmerksam zu machen, und erbitten einen finanziellen Beitrag zu deren Linderung. Die Sammlung ist ein wirkungsvolles Zeichen christlicher Nächstenliebe. Ich bitte Sie um großherzige Unterstützung.


Liebe Gläubige!

Im Fest der Menschwerdung kommt Gott in Freundlichkeit und Güte als das Kind in der Krippe auf uns zu. In der Fastenzeit geht Jesus uns voran und trägt die dunklen Seiten unserer Existenz ans Kreuz. Wenn wir Jesu Weg mitgehen, wird auch in uns Ostern zum Tag der Auferstehung und des Lichtes werden.
In diesem Sinne wünsche ich jedem eine gesegnete Vorbereitungszeit. Jeder Pfarre eine Auferstehungsfeier in Freude.
        
Dr. Elmar Fischer
Bischof von Feldkirch
Feldkirch, im Februar 2010

Hier finden Sie den Fastenhirtenbrief als Pdf-Download.


Von Rainer Juriatti veröffentlicht am 17.02.2010

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