Mit einem leisen Klicken schließen sich die Türen der Anstaltskirche hinter den Beamten in der Justizanstalt Feldkirch. Ein Nicken bestätigt die Vollzähligkeit der Insassen, die heute am Gottesdienst zu Weihnachten teilnehmen. Weihrauch liegt in der Luft, ein Christbaum nebst Adventkranz und Krippe lassen einen Hauch von Weihnachtsgefühl aufkommen. Und langsam wird es ruhiger.

Es ist 10 Uhr in der Justizanstalt Feldkirch an diesem Sonntag. Eigentlich ein Sonntag wie jeder andere - wenn es nicht gerade der vierte Adventsonntag und damit auch zwei Tage vor Weihnachten wäre. Denn hinter Gittern ist Weihnachten ein anderes Fest - fernab von Familie und Freunden.

Ein Tag wie jeder andere
In der Justizanstalt Feldkirch ist der 24. Dezember ein Tag wie jeder andere, erklärte eine Justizbeamtin - besondere Feiern oder Geschenke gibt es nicht. Umso wichtiger scheint den Insassen deshalb der Gottesdienst in der Anstaltskirche zu sein - vielleicht auch nur, weil hier ein Hauch Weihnachten spürbar ist. Dank des geschmückten Baums, des Adventkranzes und einer Krippe. Rund 40 Inhaftierte haben sich an diesem Sonntag zum Weihnachtsgottesdienst mit Gefängnisseelsorger Anton Pepelnik und Bischof Benno Elbs eingefunden. Die Männer unten, die Frauen oben auf der Empore.

Volle leere Schachtel
Auf den Bänken liegen Karten, auf denen der Text des Vater unsers und des Ave Maria abgedruckt ist. Man merkt, dass die meisten hier keine regelmäßigen Kirchgänger sind, aber sie bemühen sich dem Gottesdienst zu folgen, mitzubeten und zu singen. Und als Bischof Benno eine kleine Weihnachtsgeschichte über ein Mädchen, das seinem Vater eine "leere" golden Schachtel, gefüllt mit vielen Küssen, erzählt, verstummen langsam auch die letzten Gespräche.

Christbaumkugel
Mit Blick auf den Christbaum erklärt Bischof Benno, wie es zum Brauch der Christbaumkugeln kam. Früher war es Brauch, den Christbaum mit Äpfel und Nüssen zu schmücken. Ein armer Glasbläser machte im 19. Jahrhundert aus seiner Not sich keinen Christbaumschmuck kaufen zu können eine Tugend, und fertigte aus Glas Kugeln. "Sie sind aus Armut und einer ausweglosen Situation entstanden", erklärt Bischof Benno und gibt den Insassen drei Gedanken mit auf den Weg:

Chancen
Auch die Kugeln sind aus einer Not entstanden, aber es sei wichtig zu wissen, dass es zwar schwierige Situationen gibt, diese aber auch gute Chancen in sich bergen. Weihnachten soll ein Fest sein, das zeigt, dass es immer eine Chance gibt. Der zweite Gedanke ist die Zerbrechlichkeit: Genauso wie die Kugeln in tausend Scherben zerbersten können, sind auch die Menschen verletzlich. Gott möchte unsere Wunden berühren  - er berührt die Wunden des Herzens. Und schließlich spiegeln die Kugeln das Licht wieder, auch wenn sie zerstört sind -  malt Bischof Benno ein Bild der Freude. "Freude, die ich im Herzen habe, möchte ich an andere weitergeben", so Elbs.

Briefe, Zweige und Kekse
Besonders an Weihnachten sei es wichtig, "Wertschätzung und Liebe an Menschen, die mir wichtig sind, weiterzugeben", erklärt Bischof Benno, warum er für jeden Insassen drei Kuverts samt Briefmarken mitgebracht hat. Gemeinsam mit einem Tannenzweig und Keksen, sind sie die Geschenke die er gemeinsam mit dem Gefangenenseelsorger verteilt. Besonders über die Kekse, die SchülerInnen des Institut St. Josef in Feldkirch, der Polytechnischen Schule in Hittisau und die Firmgruppe in Tosters gebacken haben, freuen sie sich.

Tradition
In den Tagen vor dem Heiligen Abend besuchen die österreichischen Bischöfe traditionell Justizanstalten, Sozialeinrichtungen und Krankenhäuser oder machen Dienst bei der Telefonseelsorge. Sie kommen damit einem Grundauftrag der Kirche nach, Menschen in Not und am Rand der Gesellschaft die hoffnungsvolle Weihnachtsbotschaft zu bringen. In der Justizanstalt Feldkirch sind bis zu 121 Personen zum Straf- und Maßnahmenvollzug für eine Länge von bis zu 18 Monaten untergebracht.