Im Rahmen der Woche für das Leben 2014 besuchten Bischof Dr. Benno Elbs und Generalvikar Msgr. Rudolf Bischof die Palliativstation Hohenems. Sie kamen dabei mit dem Stationspersonal und den PatientInnen ins Gespräch.

Hans Rapp

Die Uhr der Palliativstation des LKH Hohenems zeigt auf sechs Minuten vor acht. Und das mitten am Nachmittag. Im Garten vor dem Fenster der Station breitet sich aus Stein ein großes Labyrinth aus. Von Hektik findet sich in der Station keine Spur. Dass man sich im Spital befindet, darauf weist nur die weiße Kleidung der Ärzte und die gelben und orangen Polohemden der Pflegenden hin. Hier in der Station herrscht eine eigene Zeit. Das wollte das Team ausdrücken, als es sich entschieden hat, die Batterie der Stationsuhr nicht auszuwechseln. „Immerhin ist die Uhr zweimal am Tag ganz genau“, schmunzelt jemand am Tisch im Besprechungsraum.

Im Gespräch

Dort hat sich um drei Uhr ein Teil des Teams der Palliativstation zum Gespräch mit Bischof Benno und dem Generalvikar Rudolf Bischof eingefunden. Auch der Chefarzt des Krankenhauses, Prim. Dr. Peter Cerkl, und der Verwaltungsdirektor, Dipl.-KH-BW Dietmar Hartner, haben es sich nicht nehmen lassen, beim Besuch des Bischofs aus Anlass der Woche für das Leben dabei zu sein. Auf dem Tisch stehen Kaffeetassen. Anna Frick, die Pflegeleiterin der Station, hat es sich auch nicht nehmen lassen, eine Rhabarbertorte zu backen. Bald entspinnt sich am Tisch ein lebhaftes Gespräch über sehr grundsätzliche Fragen des Lebens. Behandlungen stehen im Dienst des Wohles der Kranken.  Dass kranke Menschen in ihrem Leiden ein Recht auf eine würdevolle Begleitung haben, stellt sich bald als ein gemeinsames Anliegen aller heraus. Ebenso erwarten sich aber auch alle am Tisch, dass sich der Druck auf alte und kranke Menschen künftig noch verstärken wird. Er ist bereits jetzt schon stark. Nur nicht der Familie zur Last fallen. Nichts mehr leisten zu können. Viele alte Menschen denken so. Sollte die Sterbehilfe legalisiert werden, könnte sich dieser Druck noch steigern, befürchtet der leitende Oberarzt der Station, Dr. Otto Gehmacher. Der bestehende gesetzliche Rahmen schützt die PatientInnen und die Mitarbeitenden der Station.

Gute Rahmenbedingungen

Dass sich die Mitarbeitenden der Palliativstation in Hohenems in einer privilegierten Stellung innerhalb des Gesundheitssystems befinden, ist ihnen allen bewusst. Sie können sich für ihre PatientInnen Zeit nehmen. Regelmäßig hält das Team Besprechungen ab, wo über den Zustand der PatientInnen und die besten Maßnahmen für ihre Situation Rat gehalten wird. Es ist sehr wertvoll, dass die MitarbeiterInnen von unterschiedlichen Disziplinen herkommen. Neben ÄrztInnen und PflgereInnen sind auch TherapeutInnen und SozialarbeiterInnen zugegen. Diese Vielfalt empfinden alle als Bereicherung für die PatientInnen. Es ist ihnen aber wichtig zu betonen, dass auch die MitarbeiterInnen der anderen Stationen hervorragende Arbeit leisten. Nur steht ihnen nicht der Rahmen zur Verfügung, sich ebenso intensiv um ihre PatientInnen zu kümmern.
Die Nachfrage nach Plätzen in der Station ist jedenfalls größer als die bisherige Kapazität. Eine Vergrößerung der Station um vier – oder aus wirtschaftlicher Sicht noch besser – sechs Betten ist geplant. Noch sind allerdings nicht alle vorbereitenden Prozesse abgeschlossen.

Gut begleitet

Nach dem Kaffee stehen Gespräche mit den Patientinnen und Patienten auf dem Programm. Gerhard Häfele, der Krankenhausseelsorger, bereitet Bischof und Generalvikar in der hellen Spitalskapelle im Dachgeschoss auf diese Aufgabe vor. Er gibt ihnen zwei schwarze Lederetuis mit, in denen sich Hostien für die Menschen in den Krankenzimmern befinden. Die intensiven Gespräche mit den PatientInnen in den Zimmern und auf den Gängen gehen beiden Gästen sehr nahe. „Es berührt mich, dass hier kranke Menschen erfahren können, was es heißt, von „Engeln“ begleitet zu sein,“ meint Bischof Benno im Anschluss an den Besuch. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Krankenpflege, Sozialarbeiterinnen, Sozialarbeiter, die Seelsorgerin, die Seelsorger, die Ärztinnen und Ärzte, sind Engel am Weg. Sie sind da, wenn Menschen Angst quält, sie sind da, wenn Schmerzen das Leben fast unerträglich machen, sie sind da, wenn das Leben zu ersticken droht. Ausgesprochen oder unausgesprochen sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Palliativstation Boten und Botinnen der Nächstenliebe und der Güte Gottes bis zum letzten Atemzug. Es erfüllt mich mit großer Dankbarkeit“. Ihm war die Arbeit der Palliativstation bereits aus Krankheitsfällen im Freundes- und Bekanntenkreis vertraut. Dieses Bild hat sich bei diesem Gespräch nochmals bestätigt.