Bischof Elmar Fischer, viele Jahre in der Eheberatung tätig, summierte seine Erfahrungen in einem "Tragnetz" der Beziehung in der Partnerschaft, Ehe, Freundschaft. Es bildet anhand von 24 Begriffen ab, worauf es in gelingender Beziehung ankommt, worauf sich eine in der Liebe Jesu mündende Beziehung stützt.

Zur Entstehung des psychischen „Tragnetzes“ für Beziehung in der Partnerschaft, Ehe, Freundschaft


1. Ausgangsüberlegung: Wie kann ich Brautleute für die Ehe als Sakrament interessieren? Bei einem Kurs der Ehevorbereitung sind Akademiker, Handwerker, Hilfsarbeiter. Es sind intensiv Gläubige, Fernstehende, Atheisten versammelt.

Die Frage an die jungen Leute: Was hält nach eurer Meinung eure Beziehung auf Dauer lebendig? Gilt für jede und jeden, der Kommuniktion auf Dauer will.

Es wurden die im Netz eingetragenen Bedingungen genannt, die im inneren Kreis am häufigsten. – Die Frage wurde in zahlreichen Kursen gestellt, mit immer ähnlichem Ergebnis.

2. Das Netz entstand aus der Entdeckung, dass jede der genannten Bedingungen eigentlich eine Befähigung ist, die als Talent in jedem da ist, aber entfaltet werden muss, um in rechter Weise zur Wirkung zu kommen. Jede der Befähigungen braucht auch in mehr oder weniger starkem Maße jede andere, um aufbauend, belebend für die Beziehung zu wirken.

Ist eine der Befähigung zu stark oder zu schwach entwickelt, gefährdet sie meh oder weniger das gesamte Netz in seiner Tragfähigkeit.

3. Die drei Kennzeichnungen: in der Mitte des Netzes sind Schlussfolgerungen aus der Erfahrung des „praktizierten Tragnetzes“. Wenn ein Paar je nach Situation des Tages die eine oder andere Befähigung aktiviert (indirekt und unterschiedlich stark das ganze Netz), dann erlebt es die Beziehung als sinn- und wertvoll, es erlebt tragende Freundschaft, Liebe. Eine Mindesttragfähigkeit ist auf Dauer für die Lebendigkeit jeder Beziehung (auch der eines Anders- oder Ungläubigen) erforderlich.

(Es ist diese Art der Liebe aufbauendes Verhalten. Es kommt diese Art des Verhaltens der Liebe Jesu nahe, der nicht das „große Gefühl“, sondern die echte Menschlichkeit praktiziert: „Liebt einander wie ICH euch geliebt habe.“ Jo 15, 12 – in die Praxis umgesetzt z. B. Lk 7, 36 – 50, Mt 26, 33 – 36 und Jo 21, 15 – 17)

4. Die weitere Frage an die Paare:
Wie steht es in der Praxis mit der Tragfähigkeit des Netzes? Die Brautleute: jetzt eigentlich gut!

Trägt die katholische Kirche etwas bei zur Tragfähigkeit des Netzes? Das Gespräch mit den Paaren ergibt: Kirche hat eine Grundausrichtung auf Liebe. Jesu wichtigstes Gebot ist Liebe in dreidimensionaler Ausfaltung: zu Gott dem Schöpfer und Vater, zum Mitmenschen, zu mir selbst. Jesus selbst ist „der Mensch“, Weg, Wahrheit, Leben. Wenn ein Paar die Wege des Lebens in seinem Geist geht, lebt es Sakrament. Religiöse Praxis ist dazu Hilfsmittel. Aus dieser Einsicht kommt die Eintragung „in seinem Geist gestaltet“ im Tragnetz.

Von der Redaktion veröffentlicht am 18.03.2009

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