Bei seiner Eröffnungsrede legte Papst Franziskus eine Spur. Er erinnerte daran, dass die Kirche keine Museum, sondern lebendige Quelle sei und forderte zu apostolischem Mut, evangeliumsgemäßer Demut und vertrauensvollem Gebet auf. Im weiteren Verlauf der Synode wird der Papst nur noch Hörender sein.

Papst Franziskus hat am Montagvormittag in seiner Eröffnungsansprache zur Familiensynode betont, dass eine Bischofssynode "kein Kongress und kein Konvent, kein Parlament und kein Senat" ist. Es gehe nicht darum, durch Verhandlungen einen Konsens zu erzielen, sondern sich dem Wirken des Heiligen Geistes zu öffnen, sagte er. Er rief die Synodenväter zu "apostolischem Mut, evangeliumsgemäßer Demut und vertrauensvollem Gebet" auf.

Die Papstansprache bildete den Auftakt zu den Beratungen. Rund 270 Bischöfe, Kardinäle und Ordensobere versammelten sich am Montagvormittag zu ihrer ersten Sitzung in der Synodenaula. In den kommenden drei Wochen wird Franziskus an allen Tagen der Plenardebatten als Hörender anwesend sein, aber nicht mehr selbst das Wort ergreifen. Die 14. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode tagt bis 24. Oktober zum Thema "Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute".

Franziskus ermutigte zu offenem Reden, inhaltliche Fragen nahm er nicht vorweg. Der Papst lud namentlich die Bischöfe dazu ein, nicht den Mut zu verlieren, weder "angesichts der Verführungen der Welt" noch "angesichts der Verhärtung einiger Herzen, die trotz guter Absichten die Menschen von Gott entfernen". Das Glaubensgut der Kirche sei "kein Museum", sondern eine "lebendige Quelle".

Der Papst benannte als die richtigen Herangehensweisen für einen Synodenteilnehmer Freimut ("Parrhesia"), pastoralen und doktrinalen Eifer, Klugheit und Aufrichtigkeit. Die Synode bilde "Kirche, die miteinander unterwegs ist, um die Wirklichkeit mit den Augen des Glaubens und dem Herzen Gottes zu lesen". Es sei "Kirche, die sich über die Treue zum Glaubensgut befragt, das für sie kein Museum ist, das es anzuschauen oder bloß zu bewahren gelte".

"Gesetz des Sabbat für den Menschen da"

In der Synode spreche der Heilige Geist durch die Sprache aller Menschen, die sich von Gott leiten lassen. Er spreche von Gott, "der immer überrascht, von Gott, der sich den Kleinen offenbart in den Dingen, die er den Wissenden und den Intelligenten verbirgt, von Gott, der das Gesetz des Sabbat für den Menschen schuf und nicht umgekehrt, von Gott, der die 99 Schafe zurücklässt, um das einzige verirrte Schaf zu suchen, von Gott, der immer größer ist als unsere Logiken und unsere Rechnungen".

Die Synode könne freilich nur dann "ein Wirkungsraum des Heiligen Geistes" sein, wenn die Teilnehmer "apostolischen Mut, evangelische Demut und vertrauensvolles Gebet" übten, fuhr der Papst fort. Apostolischer Mut sei es, "Leben zu bringen und nicht aus unserem christlichen Leben ein Museum der Erinnerungen zu machen". Evangelische Demut bedeute, "sich von den eigenen Vorurteilen zu befreien", den Brüdern im Bischofsamt zuzuhören und "sich mit Gott anzufüllen". Im Umgang mit Gläubigen verhelfe eine solche Haltung der evangelischen Demut dazu, "nicht mit dem Finger auf die anderen zu zeigen, um sie zu verurteilen, sondern sie an der Hand zu nehmen und ihnen aufzuhelfen, ohne sich ihnen jemals überlegen zu fühlen". Das "vertrauensvolle Gebet" sei "das Handeln des Herzens, wenn es sich Gott öffnet, wenn wir alle unsere Stimmungen zum Schweigen bringen, um die leise Stimme Gottes zu hören, der in der Stille spricht".

Zum Abschluss seiner Eröffnungsansprache bedankte sich der Papst nicht nur bei den Synodenvätern und den anderen Teilnehmenden einschließlich der Hörer und Hörerinnen, sondern auch bei den Journalisten, die über die Synode von Rom aus oder von fern berichten. "Danke für eure leidenschaftliche Teilnahme und eure bewundernswerte Aufmerksamkeit", so Papst Franziskus.

Baldisseri: Familie so bedroht wie noch nie

Der Generalsekretär der Synode, Kardinal Lorenzo Baldisseri, sagte im Anschluss an die Papstansprache, die Familie sei heute "so sehr bedroht wie vielleicht noch nie zuvor, von innen wie von außen". Aufgabe des dreiwöchigen Treffens mit 270 Bischöfen und 90 weiteren Teilnehmern sei es, die Resultate eines langen und gründlichen Vorbereitungsprozesses zusammenzutragen und für Kirche und Gesellschaft nutzbar zu machen. In seiner Rede erläuterte er nochmals die Anliegen und den Ablauf der Synode.

Die 14. Ordentliche Bischofssynode sei so gründlich und vielfältig vorbereitet worden wie kaum ein Treffen zuvor, führte Baldisseri aus. Im Herbst 2014 habe eine zweiwöchige Außerordentliche Synode das Thema diskutiert. Laut Baldisseri beteiligten sich daran 102 Bischofskonferenzen sowie 400 weitere kirchliche Institutionen und Initiativen, was der Generalsekretär als Beweis für das große Interesse an diesem Thema wertete. Das daraus erstellte "Arbeitspapier" der Synode sei eine sehr breite Grundlage für die Beratungen der nächsten drei Wochen, die effizienter und dialogischer als in früheren Synoden erfolgen sollten. Den Beratungen in den 13 kleinen Sprachgruppen solle größere Bedeutung zukommen.

Um die Diskussion stärker zu konzentrieren, werden die drei Teile des Arbeitspapiers wochenweise nacheinander beraten. In der ersten Woche geht es um eine Situationsanalyse der Familie in der heutigen Gesellschaft, in der zweiten Woche um die kirchlichen Aussagen zu diesem Thema und in der dritten um die besonderen Herausforderungen für die Kirche.

Eine Kommission wird am Ende jeder Woche einen eigenen Bericht anfertigen und diesen zur Abstimmung stellen. Dieser Text wird am Ende Teil des Abschlussdokuments. Ab 22. Oktober soll der Gesamttext nochmals beraten und in einer finalen Abstimmung verabschiedet werden. Dann wird er dem Papst übergeben, betonte Baldisseri. Ihm bleibe es überlassen, wie er mit dem Schlussbericht weiter verfahre.