Rom - Mittwoch, 14. Oktober 2015

Es war wieder ein anstrengender Tag heute. Im 3-Minuten-Takt wurden am Vormittag und am Nachmittag „interventi“, „Statements“ von Bischöfen aus aller Welt vorgetragen. Sehr engagiert und sehr unterschiedlich. Es ist ein großes Geschenk der Kirche, dass die Wirklichkeit von so vielen Seiten gesehen wird und immer versucht wird, sie mit dem Evangelium Jesu ins Gespräch zu bringen. Zwei Aussagen waren heute besonders berührend.

Das eine ist eine Erfahrung, die ein Bischof aufs Lateinamerika erzählt hat. Es war Erstkommunion. Die Kinder wurden vorbereitet, die Eltern eines Kindes waren geschieden und lebten zusammen. Sie hatten sich auch entschieden, bei der Erstkommunion nicht zur Kommunion zu gehen. Nun ist es im Gottesdienst so geschehen, dass das Kind die Hostie in die Hand genommen hat und sie mit seinen beiden Eltern geteilt hat. Es gibt viele theologische Überlegungen zu dieser delikaten und sehr komplexen Frage der Zulassung zur Kommunion von wiederverheirateten Geschiedenen. Was wäre, wenn wir diese Situation mit Kinderaugen sehen?

Und eine zweite Erzählung, die heute unter die Haut gegangen ist, ist die eines Bischofs aus dem Iran, der erzählt, wie Familien unter dem Terrorismus des IS leiden, der auch dafür appelliert, dass westliche Staaten endlich aufhören mögen, die verschiedenen Gruppen mit Waffen zu unterstützen und so mithelfen, dass dieser Bürgerkrieg und diese Auseinandersetzung weiter gehen. Familien leiden hier und manche begeben sich auf die Flucht. Was wäre, wenn wir die Welt mit den Augen der Armen sehen?

Der heutige Synodentag hat gezeigt, dass es wichtig ist, ganz bewusst einmal die Perspektive zu wechseln. Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, meint Jesus. Und es sind die Armen, in denen wir ganz besonders Christus begegnen.

Bischof Benno Elbs