Gedanken zu Pfingsten von Diözesanbischof Benno Elbs

Das Murren ist eines der größten Laster, meint der Hl. Benedikt in seiner Regel. Wie oft hören wir ein Murren, Schimpfen und Jammern über kleine und große Lasten des Lebens, über Mitmenschen, Mängel, Missstände. Es vergiftet oft das Klima und das Miteinander.

Wenn wir hingegen die Welt mit Pfingst-Augen betrachten, dann können wir tausend Gesichter des Geistes entdecken, Spuren Gottes, der uns mit seinem Geist beschenkt. Einige solcher Pfingst-Erlebnisse sind mir in den vergangenen Tagen begegnet:

  • Beim Besuch in der Geburtenstation des Landeskrankenhauses Feldkirch im Rahmen der „Woche für das Leben“. Ich durfte einigen Wöchnerinnen, erschöpft und überglücklich, und ihren Neugeborenen den Segen spenden für ihr neues Leben. Da ertappt man den Schöpfer „auf frischer Tat“.
  •   Eine Tauffeier. Groß ist die Freude von Eltern und Paten über ihr Kind, hoffnungsvoll und berührend sind die Wünsche, die sie ihm mitgeben auf den Weg ins Leben. 
  • Firmung in Langenegg. Im Anschluss daran kochen Jugendliche gemeinsam ein Essen, damit unterstützen sie Kinder in Armenien, die Ärmsten der Armen. Der Geist der Solidarität, der Nächstenliebe wird sichtbar. 
  • Eine Trauung. Zwei Menschen geben sich das JA-Wort, versprechen einander die Treue in guten und auch in schweren Tagen. Der Geist der Liebe, der Geist der Treue schwebt gleichsam über dieser berührenden Feier. 
  • Ein „Hot-Spot-Talk“, organisiert von Jugendlichen. Gespräche über Fragen des Glaubens zeigen die Sehnsucht junger Menschen: ein Geist des Neuanfangs, der Offenheit.
  • In der Palliativstation im Landeskrankenhaus Hohenems. Menschen, die den letzten Weg ihres Lebens gehen. Pflegerinnen, Pfleger und die Ärzte sind „Engel“ am Weg. Es ist der Geist der Nächstenliebe, der auch die letzten Schritte des Lebens mit Würde gehen lässt.

Es gibt tausend Gesichter des Geistes. Solche Pfingsterfahrungen können uns täglich begegnen an vielen Orten unseres Lebens. Pfingsten ereignet sich dort, wo wir die Augen unseres Herzens öffnen, wo wir mit Pfingst-Augen die Spuren des Geistes wahrnehmen. „Gottesleuchten“ wird sichtbar. Pfingsten wird dort, wo wir den Ungeist des Murrens hinter uns lassen und uns mit Vertrauen dem Geist Gottes zuwenden, dem Geist des Lebens, dem Geist, der unser Herz mit Freude füllt. Diesen Geist von Pfingsten wünsche ich uns allen.

Dr. Benno Elbs
Diözesanbischof