Am 9. August 1943 um 16 Uhr starb Franz Jägerstätter im Zuchthaus Brandenburg durch das Fallbeil, weil er sich öffentlich weigerte, als gläubiger Katholik Wehrdienst zu leisten und so dem nationalsozialistischen Staat zu dienen. „Besser die Hände gefesselt als der Wille!", soll er der Überlieferung zufolge gesagt haben. 2007 wurde der Oberösterreicher selig gesprochen, vergangenes Wochenende wurde im Rahmen einer Gedenkfeier in seiner Heimatgemeinde St. Radegund, bei der Bischof Benno Elbs predigte, seiner gedacht.

Die Predigt von Bischof Benno Elbs zum Nachlesen finden Sie hier

"Wenn wir heute auf das Leben der Mätyrer des 20. Jahrhunderts schauen, dann berührt mich immer wieder diese große Frage: Wie haben es Menschen geschafft, diese Zeit, diese vielen Jahre in Gefängnissen, die unerträglichen Demütigungen und Folter zu überstehen?", begann Bischof Benno Elbs vergangenes Wochenende seine Predigt anlässlich des Todestages des 1943 hingerichteten Kriegsdienstverweigerers und 2007 seliggesprochenen Märtyrers Franz Jägerstätter.

Die Güte des Herzens
Märtyrer wie Jägerstätter könnten auch für das Leben heutiger Christen "ganz wichtige Hinweisschilder" sein. Ihre wichtigste Eigenart sei es gewesen, Gott auf radikale Weise die erste Stelle zu geben, durch ein Leben im Augenblick und das Füllen jedes Lebensmoments mit Liebe und Dankbarkeit, erklärte er. Elbs zog in seiner Predigt Parallelen zum vietnamesischen Märtyrerbischof Francois Xavier Ngueyen Van Thuan (1928-2002) und dessen Schilderungen zu seiner langen Einzelhaft- und Folterzeit. Er habe im Gefängnis die Vergangenheit der Barmherzigkeit Gottes und auch die Zukunft dessen Vorsehung anvertraut. "Aber die Gegenwart ist in meinen Händen. Ich kann jede Minute des gegenwärtigen Augenblicks heiligen", zitierte der Bischof den späteren Kurienkardinal. Charakteristisch sei weiters der Verzicht auf Hass und Gewalt selbst in verzweifeltsten Lage und das Ausstrahlen einer "versöhnenden Energie", die man als "Herzensgüte" umschreiben könne. "Die Güte des Herzens ist die einzige Kraft, die Menschen im Innersten verwandeln kann. Die Liebe vermag alles", erklärte Elbs.
 
Gebet spannt Netz des Vertrauens
Möglich sei den Glaubenszeugen eine derartige Haltung nur deshalb gewesen, da sie ihr Leben "unter den großen Bogen des Vertrauens" gestellt hätten, was auch in den Gebeten des jeweiligen Menschen zum Ausdruck komme. Gebet sei eine "Haltung, die Dinge in einer Perspektive zu betrachten, dass sie potenziell wieder einen Sinn haben können, trotz der Schrecklichkeit", zitierte Elbs den Psychiater Viktor Frankl. Das Gebet spanne ein "Netz des Vertrauens aus, dass Gott unser Leben trägt" aus und habe Menschen wie Jägerstätter oder den Märtyrer Carl Lampert (1894-1944) daraus "schier unermessliche Kräfte" schöpfen lassen.

Wandlung
Auch Kardinal Christoph Schönborn erinnerte am Todestag Jägerstätters an den Mesner und Bauern aus dem Innviertel: Dessen einsame Entscheidung, aus Glaubensgründen nicht für Hitler in den Krieg zu ziehen - er wurde daraufhin vom Reichskriegsgericht in Berlin wegen "Wehrkraftzersetzung" zum Tod verurteilt und am 9. August 1943 hingerichtet - sei selbst in kirchlichen Kreisen lange umstritten gewesen geblieben, rief der Wiener Erzbischof  in Erinnerung. Letztlich habe sich Jägerstätters tiefe Glaubenshaltung jedoch durchgesetzt. Ähnlich wie manche Menschen Anziehungskraft besitzen, treffe dies erst recht auf Gott zu, ohne dessen Anziehung niemand zum Glauben finden könne, betonte Schönborn. Das könne man im Leben Jägerstätters deutlich nachvollziehen: Als junger Mann eher "ein wilder Bursche", hätte ihn erst die Liebe zu seiner Frau Franziska (1913-2013) "zum lebendigen Glauben geführt". (red/kathpress)